Meinung : Die vierte Waffengattung

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Gestern war wieder mal der Berliner CIAResident in der Redaktion und hat die Blattlinie verkündet. Krieg! Sofort wurden ein paar Aufträge für scharfmacherische Leitartikel und böswillig verzerrende Saddam-Porträts ausgegeben – da kam uns Horst-Eberhard Richter, der geistige Leiter der Friedensbewegung, in die Quere. Er wirft den Medien eine „zu kriegsfreundliche Berichterstattung“ entgegen der Mehrheitsmeinung vor und zitiert zustimmend eine schwedische Formulierung, im Kosovo-Krieg hätten sich die Medien als „vierte Waffengattung“ neben Heer, Marine und Luftwaffe gezeigt. Uff! Ertappt! In der Tat haben wir bis heute noch keinen einzigen richtig netten Bericht über die netten Herren Milosevic und Karadzic veröffentlicht, und Saddam … Sagen wir so: Er liebt seine Söhne und gibt ihnen viel Raum zur freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Ja, das reicht noch nicht, aber wir arbeiten dran. Wie wäre es damit? „Eindringliche Manifestationen gegen Kriegstreiberei der Bush-Bande“ als Hauptschlagzeile in allen deutschen Zeitungen? Irgendwer vom Politbüro – Krenz? – kann so etwas sicher organisieren. Aber wie bringen wir das dem CIA-Residenten bei?

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