Meinung : Die Wahl nach der Wahl

Jetzt darf sich Klaus Wowereit entscheiden - aber ist das auch gut für ihn?

Lorenz Maroldt

Klaus Wowereit sagt, er finde es hervorragend, dass sich die SPD einen Partner aussuchen könne. Doch dass es in Berlin, vor allem in Berlin, auch eine Last sein kann, die Wahl zu haben, das zeigt das Ergebnis vom Sonntag in, sagen wir mal: hervorragender Weise – wenn man es denn zu lesen bereit ist. Wer sich hier zum Gewinner erklärt, angesichts der mittlerweile mehr als vierzig Prozent Verweigerer und der fast vierzehn Prozent Stimmen für Kleinparteien, der ist bestenfalls ein Sieger, und selbst das womöglich nur für den Augenblick.

Der Sieger Wowereit, der als Regierender Bürgermeister einer umstandsweise abhängigen Stadt das Wort Glückwunsch nicht nur als Floskel verstehen wird, darf also wählen – und er muss es auch. Ist das schon ein Glück für ihn oder vielleicht doch auch eine Bürde?

Für die anstehenden Gespräche und Verhandlungen mag die vorhandene Alternative – PDS oder Grüne, um nicht rechnerisch zu werden, sondern realistisch zu bleiben – für Wowereit Erfolg versprechend sein. So oder so, etwas mehr SPD wird schon drin sein im neuen Senat, wahrscheinlich programmatisch, vielleicht personell, ganz sicher machtpolitisch, und dazu kommt ja auch noch die neue Richtlinienkompetenz für den Regierenden. Doch was ist über die schnellen, die leichten Punkte hinaus die richtige Wahl für die Sozialdemokraten, für Wowereit und, ja doch, auch für Berlin?

Bisher hieß es in SPD-Kreisen, die Grünen seien der anstrengendere Partner für eine Koalition. Deren Parteibasis lasse sich nicht führen, sie halte sich eine Führung, was immer etwas Unberechenbares habe, während die Vorleute der PDS ihre kampfeslustigen Ideologen doch recht gut unter Kontrolle gebracht hätten. Jetzt aber, da sich zeigt, dass die PDS den Langmut ihrer Wähler überschätzt hat, gilt das nicht mehr. Die geschwächte Partei wird mehr als zuvor ihre rote Fahne zeigen müssen und hat zunehmend Lust, auch mal wieder gegen etwas zu sein, ob in der Regierung oder in der Opposition.

Für die Grünen dagegen ist dabei zu sein zwar nicht alles, aber doch sehr viel: überhaupt mal wieder irgendwo mitregieren können! Das macht sie, jedenfalls im Moment, für die SPD zu einem kalkulierbareren Partner.

Und Wowereit? Er hat schon bewiesen, dass er ein linkes Bündnis zu führen bereit und in der Lage ist, was für weiter gehende Ambitionen ja noch mal wichtig werden kann. Jetzt aber braucht er die PDS nicht mehr. Darin liegt etwas Gutes für ihn und etwas Gefährliches. Wowereit könnte die PDS, zu der er keine Alternative sah vor fünf Jahren, deren Senatoren ihn aber zunehmend nervten, einfach abschütteln und sagen: Zum Sanieren waren die richtig, zum Gestalten sind sie es nicht. Wenn er aber weitermacht wie bisher, werden nicht nur die Grünen gespannt darauf sein zu erfahren, was die PDS besser als alle möglichen anderen Parteien eben dazu qualifiziert.

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