Meinung : Die Weiße Rose verteidigt Von Frank Jansen

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Es war ein Test, der 60. Jahrestag der Bombardierung in Dresden, eine Probe auf die Belastbarkeit der Demokratie. Mehrere tausend Rechtsextremisten haben versucht, der Stadt einen Kampf um historische Symbole aufzuzwingen. Das betrifft vor allem die Deutung des Albtraums, der im Februar 1945 über Dresden hereinbrach. Gewonnen haben die Rechtsextremisten nicht, trotz aller Provokationen, bis hin zum geistigen Diebstahl von antinazistischen Symbolen wie der Weißen Rose. Bei dem Aufmarsch blieben die Alt und Jungbraunen unter sich. Es schlossen sich keine Dresdener an, der „Trauermarsch“ wurde von den Bürgern der Stadt als Propagandashow der Geschichtsklitterer durchschaut. Protest am Rande des rechten Aufzugs gab es allerdings auch kaum. So emotional das Thema Bombennacht in Dresden auch besetzt ist, das Spektakel der NPD stieß bei den Dresdenern weitgehend auf Gleichgültigkeit.

Wie ist das zu werten? Der gestrige Tag gibt nur wenig Aufschluss über die Stimmung in Sachsen, ein knappes halbes Jahr nach der Landtagswahl, die das Land so durchgerüttelt hat. Vielleicht lässt sich aber die Lehre ziehen, dass es wenig bringt, mit den Rechtsextremisten um Symbole zu wetteifern. Wer provozieren will und keine Hemmungen kennt, wird noch weitere Unverschämtheiten präsentieren, wenn die alten nicht mehr wirken. Die Demokraten könnten deshalb vom gestrigen, schwierigen Datum lernen, dass es sich lohnt, unbeirrt und ohne Hysterie dem Rechtsextremismus entgegenzutreten.

Dazu gehört, das eigene, an der Wahrheit orientierte Geschichtsbild offensiv zu vertreten. Gerade auch gegenüber Jugendlichen, die von NPD, Neonazis und Skinheadszene umworben werden. Deshalb war es gut, dass in Dresden so viele Veranstaltungen angeboten wurden, auf denen die Bombennacht und die Ursachen realistisch betrachtet wurden. Und nicht nur trocken akademisch, sondern auch mit Gefühl. Selbst wenn es dann zu Sentimentalitäten kam – in Dresden wird sich nach diesem Sonntag vermutlich der Eindruck durchsetzen, dass die Demokratie ein schwieriges Datum trotz übler Aufmarschbilder bewältigt hat.

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