Meinung : Die Weltenrichter

KANDIDATEN FÜR STRAFGERICHTSHOF GEWÄHLT

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Es gab Zeiten, da galt es als utopisch, für die Abschaffung der Sklaverei zu kämpfen, für die Schulpflicht oder das allgemeine Wahlrecht. Und noch vor einem Jahrzehnt schien der Plan für ein „Weltgericht" nichts als eine naive Idee. Ein permanentes „Nürnberger Tribunal" für die ganze Erde? Das geht nie! Doch 1998 stand das Römische Statut, 88 Staaten haben es bis heute ratifiziert. Jetzt wurde die erste Richterriege gewählt: Der Internationale Strafgerichtshof (ICC), das sind nun Namen und Gesichter. Der ICC ist damit aus der Sphäre des Abstrakten in die Wirklichkeit übergegangen. Zwar war das Gerangel um die Zusammensetzung des Richtergremiums heftig, und nicht eben ein Vorbote des Ewigen Friedens, sondern eher ein Ausdruck lebhafter Demokratie und Diplomatie in allen Widersprüchen, die die ganz reale Gegenwart bereit hält. Asien und Lateinamerika, Kanada, Afrika und Europa mischten mit in New York, nach einem komplizierten Quotensystem. Auch ein Deutscher ist unter den 18 hochkarätigen Männern und Frauen, denen man in 200 Jahren vielleicht ein Denkmal setzt – als Pionieren auf dem Weg zur globalen Gerechtigkeit. Aber draußen geblieben war eine interessante „Koalition der Unwilligen": Staaten, die den Internationalen Strafgerichtshof ablehnen, darunter die USA, Pakistan und – eine seltene Allianz – der Irak. Auch das wird die Geschichte nicht vergessen. cdf

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