Meinung : Dienstleistungswüste Deutschland

„Wenn Warten nichts mehr kostet /

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle

lenkt ein: Bald sollen die Dudelschleifen bei Service-Hotlines gebührenfrei werden“

von Heike Jahberg vom 19. Juni

Kostenlose Warteschleifen bei 0180-Nummern sollen tatsächlich kommen, nachdem die FDP ihre Verweigerungshaltung aufgegeben hat, wird im Tagesspiegel berichtet. Interessanterweise wird in dem Zusammenhang gleich auf einen Internetdienst wie www.0180.info hingewiesen, mit dem sich alternative günstigere Festnetznummern ermitteln lassen.

In dem Zusammenhang muss nachgefragt werden, warum denn Unternehmen der Dienstleistungsbranche, die ja alle über einen Festnetzanschluss verfügen, überhaupt 0180-Nummern für ihre Kunden einrichten. Es geht ihnen ja gar nicht darum, dem Kunden einen einfacheren Zugang zu ermöglichen, ihm Service zu bieten, sondern der Kunde soll durch teure Gespräche davon abgehalten werden, überhaupt anzurufen.

Viele bekannte Unternehmen haben sogar dem Betreiber des 0180-Telefonbuches die Veröffentlichung ihrer natürlich vorhandenen Festnetzrufnummern in dieser Liste untersagt. Eben typisch Dienstleistungswüste Deutschland!

Am Beispiel von Internetbanken zeigt sich dieses ganz deutlich. So bietet eine Bank in Berlin – ohne jede Filiale – ihren Kunden als Kontakt nur eine kostenpflichtige 01803-Nummer. Kunden aus dem Ausland erreichen die Bank auch über eine normale Festnetznummer; Inlandsanrufe werden jedoch automatisch abgeblockt (es sei denn, man stellt eine Rufnummernunterdrückung ein).

Die Politik sollte sich daher mit der Frage beschäftigen, welchen Mehrwert 0180-Rufnummern für den Verbraucher besitzen, wenn sie wirklich zum Ziel hat, „die Abzocke der Verbraucher zu beenden“.

Hans-Gerd Becker,

Schönwalde-Glien

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