Dieter Schwarz : „Wir entschuldigen uns“

Dieter Schwarz, Eigentümer der Ladenkette Lidl, ist einer der reichsten Menschen Deutschlands - und der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Die Geschäftsführung entschuldigte sich jetzt in einem Brief bei den Mitarbeitern für die Spitzeleien. Von Schwarz selber hört man kein einziges Wort.

Maren Peters

Auch sein eigenes Haus soll er dezent von zwei Kameras überwachen lassen. Das ist vielleicht auch verständlich: Dieter Schwarz, Eigentümer von Lidl und Kaufland, gehört als vielfacher Milliardär zu den reichsten Menschen der Republik. Dass der Schwabe aus Heilbronn allerdings auch die Verkäufer in seinen Lidl- Filialen mit Kameras systematisch bespitzeln ließ, wie der „Stern“ berichtet, hat viele empört. Nach Angaben des Magazins wollte der Discounter auf diesem Weg herausfinden, wer wie oft auf die Toilette geht oder mit Kollegen Liebesverhältnisse unterhält. Lidl – ansonsten ein Unternehmen, das so zurückhaltend ist wie sein Besitzer – hat sich für die Überwachung inzwischen in aller Form entschuldigt. „Wenn Sie sich in Misskredit gebracht und persönlich verletzt fühlen, so bedauern wir dies außerordentlich und entschuldigen uns dafür bei Ihnen“, heißt es in dem Brief der Geschäftsführung an die 48 000 Mitarbeiter in Deutschland.

Auf eine Erklärung von Unternehmensgründer Schwarz warteten die Mitarbeiter dagegen auch diesmal vergeblich. Der 68-jährige Sohn eines Obsthändlers, der die Discounterkette seit 1972 zum Aldi-Konkurrenten aufgebaut hat, gilt als Geheimniskrämer, der die Öffentlichkeit – inklusive Kameras – meidet. Von ihm selbst existiert außer einem unscharfen Paparazzi-Bild kein einziges offizielles Foto. Auch die Unternehmenszahlen behält er für sich. Weil ihn kaum jemand kennt, kann er mit Ehefrau Franziska am Samstag ungestört auf dem Markt einkaufen oder klassischen Konzerten in der Heilbronner Harmonie lauschen.

Während er sich in seiner Heimatstadt als großzügiger Mäzen hervortut, lässt Schwarz ansonsten extreme Sparsamkeit walten. Seine Anzüge sind von der Stange, sein Auto fährt er selbst. Besucher seiner Hauptverwaltung in Neckarsulm soll er vor dem WC-Besuch aufgefordert haben, nur ein Papierhandtuch zu benutzen und das Licht wieder zu löschen. Eigentlich hatte er sich 1999 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen.

Sparsam ist er auch gegenüber Mitarbeitern. Lidl zahlt zwar Tariflöhne, lässt seine Angestellten aber deutlich länger arbeiten und setzt sie – auch mit Hilfe der Überwachungskameras systematisch unter Druck, wie Verdi berichtet. Die Gewerkschaft versucht seit Jahren, einen Fuß in die Tür des Discounters zu bekommen. Mit wenig Erfolg. Einen Betriebsrat gibt es bislang in nicht mal zehn der rund 3000 Filialen.

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