Meinung : Diplomatische Beziehungen: Geteilter Sonnenschein

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Nun ist der eiskalte Krieg auch in Asien vorüber. "Sonnenschein" nennt man im Süden der geteilten Halbinsel die Annäherung der beiden Koreas. Seit dem historischen Gipfel der beiden Staatsoberhäupter im Juni 2000, dem ersten seit dem Korea-Krieg 1953, hat es eine Reihe von Verwandtenbesuchen gegeben. Da ist es nur normal, wenn andere Staaten die Entspannung unterstützen: durch diplomatische Beziehungen zu beiden Hälften. Gerade auch Europa und nicht nur USA. Die nennen Nordkorea zwar nicht mehr "Schurkenstaat", aber der einzigen Weltmacht wird mehr Misstrauen entgegengebracht wegen ihrer strategischen Interessen. Europa gilt als neutral, als "guter Makler". Nun hat Deutschland, das bereits seit zehn Jahren in Pjöngjang vertreten ist, volle diplomatische Beziehungen zu Nordkorea aufgenommen, wie das beim EU-Asien-Gipfel im Oktober avisiert worden war. Die Erfahrungen eines Landes, das selbst jahrzehntelange Teilung überwunden hat, sind willkommen. Schade nur, dass die EU-Staaten es wieder nicht geschafft haben, gemeinsam zu handeln. Frankreich bremst bis heute, Großbritannien preschte vor. Deutschland hat wenigstens den EU-Beschluss abgewartet, der die Entscheidung jedem Land überlässt. So lange Europa sich so schwer tut mit der viel beschworenen gemeinsamen Außenpolitik, wird es keinen größeren weltpolitischen Einfluss erlangen.

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