Meinung : Diplomatische Welle

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Wie groß ein Problem ist, hängt nicht nur von dessen objektivem Ausmaß, sondern auch vom Standpunkt des jeweiligen Betrachters ab. Für die Bundesregierung war es ein Problem, dass die deutsche Marine im Rahmen des von ihr ausgeübten UN-Mandats nicht ohne Rücksprache mit libanesischen Vertretern bis unmittelbar an der Küste operieren konnte. Das aber sollte eigentlich eine der Voraussetzungen des Einsatzes sein. Für die Regierung in Beirut besteht das Problem eher in den beiden Vertretern der Hisbollah im Kabinett. Die Hisbollah war der eigentliche Gegner Israels im jüngsten Krieg und sucht jetzt ihren Einfluss in der Regierung in Beirut mit allen Mitteln zu vergrößern. Das maritime Problem wurde nun vom Wetter gelöst, ließ der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora den ihn besuchenden Verteidigungsminister Franz Josef Jung wissen. Solange die Wellen so hoch sind, könne die eigene Marine nicht auslaufen, also haben die Deutschen freie Hand. Und was eine hohe Welle ist, entscheiden nicht die Meteorologen, sondern die Diplomaten. So einen eleganten Ausweg gibt es beim Konflikt zwischen Siniora und der Hisbollah leider nicht. apz

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