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Diskriminierung von Homosexuellen in Russland : Ein Boykott von Olympia wäre falsch

11.08.2013 17:46 Uhrvon
Die Menschenrechtsverletzungen gegen Homosexuelle und Oppositionelle in Russland haben internationale Proteste angereizt.Bild vergrößern
Die Menschenrechtsverletzungen gegen Homosexuelle und Oppositionelle in Russland haben internationale Proteste angereizt. - Foto: dpa

2014 finden im russischen Sotschi olympische Spiele statt. Ein Gesetz, das Homosexuelle diskriminiert, soll dann weiter gelten. Doch ein Boykott von Olympia wäre trotzdem falsch – die Spiele können auch Bühne für Proteste sein.

Mit den Menschenrechten kennt sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) bestens aus. Vor allem, wie man gut und viel darüber redet. Sport zum Beispiel sei Menschenrecht, hat erst kürzlich wieder IOC-Präsident Jacques Rogge gesagt. Wie Menschenrechte durch Sport umgesetzt werden können, gehört dagegen nicht zu den Spezialdisziplinen des IOC. Das zeigt sich nun beim Fall der Diskriminierung von Homosexuellen durch den Olympiagastgeber Russland.

Es sieht so aus, als führe Russland das IOC an der Nase herum. Denn das Komitee meldete erst beruhigt, ein homosexuellenfeindliches Gesetz werde während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi ausgesetzt.

Nur Stunden später musste es dann vom russischen Sportminister erfahren, dass es doch gültig sein wird. Gesetz ist eben Gesetz.

Selbst wenn das Gesetz nur Äußerungen über gleichgeschlechtliche Lebensweisen in Anwesenheit von Minderjährigen unter Strafe stellt, so bewirkt es doch insgesamt eine Diskriminierung von Homosexuellen. Denn im Zweifel wird es Ermessenssache sein, was unter das Gesetz fällt, und die russische Justiz hat keinen besonders menschenfreundlichen Ruf.

Dieser Fall erinnert auch an die Olympischen Sommerspiele in Peking, als erst der freie Zugang zum Internet in Aussicht stand, dann aber während der Spiele doch einige Seiten gesperrt waren. Vor allem aber hat sich die Lage der Menschenrechte in China nach den Olympischen Spielen eher verschlechtert, wie internationale Organisationen bemängeln.

Die Niederlage beginnt im Grunde bei der Vergabe der Spiele. Menschenrechte spielen da keine Rolle. Und während das IOC vor der Vergabe von Autokraten und sonstigen Herrschern als Weltmacht hofiert wird, wirkt es nach der Vergabe auf einmal nur noch wie ein Organisationsbüro für Leibesübungen. Russland wird sich jedenfalls genauso wenig von internationaler Kritik beeindrucken lassen wie China, nur weil ein paar tausend sportliche junge Frauen und Männer ins Land kommen werden. Olympia findet statt, und es findet nach russischer Prägung statt.

Die Bühne Olympia ist jedoch größer als Russland, und wenn das russische Regime sie nutzt, dann können es Protestbewegungen ebenfalls. Darin liegt auch die einzige Chance. Boykottdrohungen werden nichts verändern. Wer im Sport etwas erreichen will, muss mitspielen.

Politische Äußerungen innerhalb der Stadien sind verboten, das verlangt nicht nur Russland, sondern auch das IOC. Aber ob das Zeigen einer Regenbogenfahne Politik ist, darüber wird sicher noch zu reden sein. Der US-Amerikaner Tommie Smith hatte einst das Olympische Dorf verlassen müssen, weil er bei Olympia 1968 in Mexiko auf dem Siegerpodest die Faust in einem schwarzen Handschuh gen Himmel streckte, als Geste gegen die Rassendiskriminierung. Aber kann ein Kuss auf dem Siegerpodest bestraft werden? Die Sache der Liebe ist schwerer zu besiegen.

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