Meinung : Dissonanter Schlussakkord

Lesermeinungen zum Ehrensold

Jetzt schlägt’s dreizehn, wenn es heißt, es waren objektive Umstände für eine erhebliche und dauerhafte Beeinträchtigung der Amtsausübung gegeben. Wer hat diese Beeinträchtigung denn herbeigeführt? Es war doch der Amtsträger selbst, der sich mit seinem Verhalten des Tricksens, Täuschens und Verschleierns entwertet hat. „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht“ ist eine alte Weisheit.

Die objektiv nicht mehr vorhandene Glaubwürdigkeit dann zur Rechtsgrundlage für Ansprüche des Selbstbeschädigers zu machen, ist die Fortsetzung der Trickserei mit anderen Mitteln. Mit Juristerei hat das nichts mehr zu tun. Dass eine solche Vorgehensweise in dem höchsten Amt entwickelt und verkündet wird, beschädigt die Moral in unserem Land über den konkreten Fall hinaus.

Dass der Amtsantritt des neuen Präsidenten für diesen „Spruch“ nicht abgewartet wurde, spricht Bände.

Dr. Jürgen Troschke, Beelitz

Wenn sich das Parlament – hoffentlich – mit der Novellierung des Gesetzes zum Ehrensold des Bundespräsidenten befasst, sollten nicht nur die Bedingungen für den Anspruch und dessen Höhe neu geregelt, sondern auch der Name geändert werden. Angesichts der Causa Wulff erscheint der Begriff „Ehrensold“ wie Hohn.

Wolfgang Wiebe, Berlin-Lichterfelde

Der Begriff „Ehrensold“ wird pervertiert und um 180 Grad gespiegelt. Ex-Präsident Wulff ging ja aus von ihm selbst verursachten Gründen, nicht aus politischen. Er hat sich das Präsidentenamt zur Beute gemacht und verhält sich nicht anders als viele Vorstände in Finanz- und Wirtschaftsunternehmen. Er bekommt für 18 Monate Missmanagement eine nicht gerechtfertigte Abfindung in für den Normalbürger nicht mehr nachvollziehbarer Höhe.

Dirk Butenschön, Berlin-Zehlendorf

Herr Wulff ist grandios gescheitert als Politiker und Bundespräsident. Aber er ist nicht das Opfer gnadenloser Medien oder einer missgönnerischen Bevölkerung, sondern, wie Altkanzler Helmut Schmidt völlig zu Recht feststellt, ein Opfer seiner selbst.

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat nach dem Abgang Horst Köhlers angemerkt, dass niemand in diesem Land gezwungen wird, sich in ein politisches Amt wählen zu lassen. Wulff hat in maßloser Selbstüberschätzung das Amt des Bundespräsidenten angestrebt. Er hätte schon bei seiner Wahl um seine vielen Leichen im Keller wissen müssen, hat es offenbar verdrängt.

Ein letztes Wort zum Zapfenstreich. Es heißt, man würde nicht Herrn Wulff, sondern das „Amt“ ehren. Er bräuchte dann ja gar nicht zu erscheinen. Der Stabsmusikkorps der Bundeswehr spielt vor der hell erleuchteten Fassade von Schloss Bellevue und ehrt so das Amt.

Oliver Passarge, Berlin-Schöneberg

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