Meinung : Doktortitel als Prestigeprojekt

„Die Promotion – Lehrjahre im Labor“

vom 5. April

Durch den namhaften Vertreter einer bedeutenden deutschen Wissenschaftseinrichtung ist ein anderer, nämlich Ehrfurcht gebietender Ton in die Diskussion hineingebracht worden: „Das Doktor-

Werden ist eine Konfirmation des Geistes“, sie gelte zu Recht als der authentischste aller akademischer Abschlüsse. Nun gut, wenn dem so ist, dann bleibt die Ehrfurcht. Man darf allerdings fragen, in welchen Fällen das so ist. Die Fülle von Ausbildungen ist bekannt, wo der „Doktor“ bei seinem Werden diesen Anspruch gewiss nicht gespürt hat. Also gibt es Täuschungen, Schmalspurigkeit und befremdliche Seitenwege – dies alles ist offensichtlich nicht aus der Welt zu kriegen. Wenn es richtig ist, dass die Eitelkeit und der erwartete Nutzen für die Karriere vorrangig die Motive sind, ließen sich doch sehr leicht Korrekturen anbringen: Denn gäbe es nicht die geradezu zwanghafte Erwartung, dass dieser Titel auch jederzeit und überall zu führen ist (Pass!), hätten wir eine ganz natürliche Entspannung. Die Zahl der Promotionen würde schlagartig zurückgehen, sie würden sich tatsächlich auf den ernsthaft wissenschaftlichen Bereich beschränken, die Hochschulen hätten wieder mehr jüngere Absolventen, und Professoren sollten nicht mehr eine möglichst große Zahl an Promovierenden als Ausdruck besonders erfolgreicher Wissenschaftlichkeit verstehen.

Hans-Jürgen Krzyweck,

Berlin-Lichterfelde

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