Dominique Strauss-Kahn : Falsch gefragt

Knapp die Hälfte der Franzosen wünscht sich eine Rückkehr von Dominique Strauss-Kahn (DSK) in die Politik. Bei der sozialistischen Klientel sind es sogar sechzig Prozent. Das mag eine kurzfristige Trotzreaktion sein, weil die Franzosen es der US-Justiz nicht verziehen haben, wie sie den ehemaligen Chef des Internationalen Währungsfonds vorgeführt haben. Der anti-amerikanische Reflex ist stark. Und wenn Strauss-Kahn wirklich unschuldig ist, gibt es eigentlich keinen Grund, ihn politisch zu bestrafen. Eigentlich. Doch die Affäre, die vielleicht keine kriminelle ist, hat Frankreich verändert. All die Details aus dem sexuellen Privatleben, die in den letzten Wochen bekannt oder wieder ausgebreitet wurden, sind auch dort kein Ruhmesblatt. Mit der galanten französischen Verführungskunst hat es wenig zu tun, wenn DSK zwischen Duschen und Mittagessen mit seiner Tochter mit einem Zimmermädchen Sex hat. DSK kommt als libidogeleiteter Macho ohne Selbstkontrolle daher. Viele Französinnen sind angewidert. Prominente, wie die ehemalige Le-Monde-Chefredakteurin Sylvie Kauffmann, haben bereits erklärt, dass sie DSK heute nicht mehr wählen würden. Die spannendere Umfrage wäre gewesen, Männer und Frauen separat zu befragen. Und ohne Frauen kein Wahlsieg. an

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