Meinung : Doping für die Radikalen - Mit Härte erreicht Israel gar nichts

Alexander Gauland

Lassen wir einmal für einen Moment die moralische Frage, wer begonnen hat beiseite, und betrachten nur die Ergebnisse. Eine islamische Terrororganisation hat zwei israelische Soldaten entführt. Inzwischen sind 600000 Libanesen auf der Flucht, Hunderte umgekommen und die Infrastruktur im Süden des Landes ist zerstört. Was nach dem libanesischen Bürgerkrieg in Beirut neu aufgebaut wurde, liegt wieder in Trümmern und dem labilen Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Religionsgruppen und Ethnien, also dem Zusammenhalt des Landes, droht das endgültige Aus.

Die Freunde Israels argumentieren, das sei zwar bedauerlich, aber nur wenn die Hisbollah zerschlagen sei, habe der Libanon eine Überlebenschance als selbständiger Staat. Diese kompromisslose Haltung vertreten Amerika und Israel seit Jahren mit dem Ergebnis, dass die radikal-islamische Hamas heute die kompromissbereitere Fatah mittels demokratischer Wahlen verdrängt hat und sich die libanesischen Schiiten – etwa 40 Prozent der Gesamtbevölkerung – fester denn je um die Hisbollah scharen, ganz ähnlich wie einst die durch den Bombenkrieg nur umso unauflöslicher an das Nazi-Regime geketteten Deutschen. Wer nicht hören will muss fühlen, ist darauf Israels immer gleiche ausweglose Antwort.

An dieser Stelle der Debatte fragen seine Freunde die Kritiker gern nach Alternativen, die natürlich niemand parat hat, außer der Gegenfrage, ob es sinnvoll und richtig sei, eine Politik, die nichts bewirkt außer neuem Hass und zusätzlichen Feinden bei den arabischen Nachbarn nur mangels einer überzeugenden Alternative fortzusetzen.

Am 28. Juni 1914 wurde das österreichische Thronfolgerpaar von einer terroristischen Organisation in Sarajewo ermordet und Deutschland wie Österreich-Ungarn waren fest entschlossen, diesem Terror ein für allemal den Garaus zu machen. Am Ende standen zehn Millionen Tote und der Terror, nationalistischer wie kommunistischer, hatte eine neue Qualität erreicht.

Es ist den Verlierern des Großen Krieges nichts so übel genommen worden, wie die Unverhältnismäßigkeit der Mittel, mit der sie ein schweres Unrecht sühnen wollten. Zahl und Umfang der Gegenschläge, also das, was man gemeinhin die Verhältnismäßigkeit der Mittel nennt, können eben auch unabhängig davon, wer den ersten Stein geworfen hat, eine moralische Qualität gewinnen. Dass Frau Wieczorek-Zeul das ausgesprochen hat, verdient eher Respekt als Tadel.

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