Meinung : Dosenpfand: Nicht Sekt, nur Selters

Claudia von Salzen

Umweltminister Trittin sieht sich bereits als Retter des Tiergartens: Am Tag nach der Love Parade, so wirbt er für das neue Pflichtpfand auf Dosen und Einwegflaschen, zieht eine zweite Parade durch den Tiergarten - um all die weggeworfenen Dosen aufzusammeln. Mit der neuen Verordnung, die vom kommenden Januar an gilt, will er die Vermüllung der Landschaft eindämmen.

In den jüngsten Jahren ist der Anteil der Mehrweg-Flaschen immer weiter zurückgegangen, von 76 Prozent 1980 auf 70 Prozent 1998. Deshalb wäre auch nach der derzeit geltenden Verpackungsverordnung noch in diesem Jahr ein Zwangspfand eingeführt worden - allerdings nur auf Bier und Mineralwasser. Die beliebte Coladose bliebe davon verschont. Trittins Novelle der Verpackungsverordnung behebt diese Ungleichbehandlung: Unabhängig vom Inhalt wird das Pflichtpfand auf alle Getränkedosen und Einwegflaschen erhoben. Ausgenommen sind Wein und alle Getränke, für die es keine Mehrweg-Alternative gibt, wie Sekt.

Ein Blick in die Wälder und Straßengräben belegt: Das Hauptproblem sind die Dosen. Mit der neuen Verordnung will Trittin aber nicht nur dem Müll in der Landschaft begegnen, sondern auch den Trend zur Einwegverpackung aufhalten. Einwegsysteme haben gegenüber Mehrwegsystemen ökologische Nachteile: Sie verschwenden Ressourcen und tragen zum Treibhauseffekt bei.

Dass der Einzelhandel Trittins Verordnung nicht begrüßen würde, war angesichts der erforderlichen Investitionen in Milliardenhöhe absehbar. Doch auch die Umweltschutzorganisationen haben das Pflichtpfand nicht gerade als großen Fortschritt gepriesen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz ist skeptisch, ob das Zwangspfand die ökologisch nachteiligen Verpackungen zurückdrängen kann. Der Umweltminister sagt vorsichtig, er wolle den Vormarsch von Dosen und Einwegflaschen bremsen und den Anteil der Mehrwegverpackungen stabilisieren. Dass der Einweg-Anteil deutlich sinkt, möchte auch Trittin nicht prognostizieren.

Andere werfen ihm Etikettenschwindel vor. Das Pfand suggeriere, dass die Dosen und Einwegflaschen wiederverwendet werden. Statt dessen werden sie der Verwertung zugeführt - wie alle Flaschen, die in den Glascontainern landen. Das verwischt für den Verbraucher den Unterschied zwischen Mehrweg und Einweg. Von Januar an wird er auf alle Getränkeverpackungen (mit Ausnahme der Kartons) Pfand zahlen müssen. Die Preissteigerung pro Einweg-Verpackung soll bei weniger als zwei Pfennig liegen. Damit bleiben Dosen, deren hoher Marktanteil auch mit dem niedrigen Preis erklärt wird, billiger als Mehrwegflaschen. Es hängt nach wie vor vom Umweltbewusstsein der Verbraucher ab, ob sie sich für Mehrweg oder Einweg entscheiden. Dank des Pflichtpfands wird vielleicht der Müll im Tiergarten nach der Love-Parade weniger. Aber es bringt noch lange nicht den Abschied von der Dose.

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