Meinung : Dr. No in waghalsiger Mission

Berlins CDU sucht nach Schwächen von Rot-Rot. An Sachkenntnis hapert es dabei noch

Lars von Törne

Als „Goldpflüger“ hat Berlins CDU ihren Spitzenkandidaten kürzlich präsentiert: Ein smarter Action-Held, der in James- Bond-Manier Berlin vor den roten Horden rettet. Dabei haben die Wahlkampfmanager der Union übersehen, dass Bond nicht nur deswegen ein guter Agent ist, weil er knallhart zuschlägt. Viel wichtiger ist, dass Bond und seine Helfer stets umfassend informiert sind und die Schwachstellen des Gegners klug analysieren, bevor sie ihn außer Gefecht setzen. Das muss Pflügers Agententruppe noch lernen.

Jüngstes Beispiel ist die Auseinandersetzung um das Mauerkonzept des Berliner Senats. Unter Verantwortung von Kultursenator Thomas Flierl von der Linkspartei/PDS sollen 17 Jahre nach dem Fall der Mauer endlich alle Orte der Stadt, die an Mauer und Teilung erinnern, in einem Gesamtrahmen präsentiert und für die Bürger leichter zugänglich gemacht werden. Das kann und soll man kritisch auf Schwächen abklopfen, wie es Fachleute, unabhängige Gruppen und Politiker, auch aus der CDU, schon längst tun. Deren Fazit: „Gut und in wesentlichen Teilen für die Union tragbar“ (Monika Grütters, CDU-Bundestagsabgeordnete); „stimmig und gut“ (Maria Nooke, Dokumentationszentrum Berliner Mauer).

Das, was Pflügers Wahlkampfmanager Frank Henkel und der CDU-Kulturpolitiker Uwe Lehmann-Brauns sich jedoch am Mittwoch erlaubten, erinnert eher an „Dr. No“ als an James Bond. Auf einer Pressekonferenz verurteilten die Unionspolitiker das Gedenkstättenkonzept des Senats in Bausch und Bogen und warfen ihm vor, die SED-Diktatur zu verharmlosen. Erst auf Nachfragen gaben sie zu, dass sie das aktuelle Konzept, das der Senator kürzlich Politikern von Bundestag und Abgeordnetenhaus präsentierte, gar nicht kennen. Sie waren zur Vorstellung nicht erschienen, lediglich eine CD mit Bildern und Überschriften aus der Präsentation hatten sie sich hinterher angeschaut.

Das reiht sich ein in eine Reihe von Auftritten, in denen Pflüger und sein Wahlkampfteam auch potenzielle Sympathisanten der CDU enttäuschten. So wirkte der Spitzenkandidat tagelang konzeptionslos, als deutschlandweit über die Rütli-Schule und aktuelle Integrationsprobleme gestritten wurde. Und Pflügers Patentrezept zur wirtschaftlichen Rettung der angeschlagenen Hauptstadt erinnert an James Bond nur in Sachen Reisefreudigkeit, ansonsten wirkt es hilflos: Er will Geld aus aller Welt in die Stadt holen, aus Indien, China – und von amerikanischen Juden, für die ein Engagement in Berlin „ein Stück Vergangenheitsbewältigung“ sei, wie der Kandidat in kleinem Kreise sagte. Dabei beruft er sich auf seinen Besuch bei Bankier David Rockefeller in New York, der ihm dies gesagt habe.

157 Tage sind es noch bis zur Wahl des Abgeordnetenhauses. Vielleicht sollten Pflüger und seine Helfer sich auf das Bond-Motto „Man lebt nur zweimal“ besinnen, also einmal kurz innehalten und fortan auf Sachkenntnis und konstruktive Alternativen setzen, statt mit leeren Parolen Wähler zu verschrecken. Sonst könnte bald ein anderer Bond-Film ihr Wahlkampfmotto werden: „In tödlicher Mission“ – tödlich für die CDU.

0 Kommentare

Neuester Kommentar