Meinung : Drei Erste unter Gleichen

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Bei ihrer Friedensmission im Nahen Osten haben sich Europas Außenpolitiker noch eng miteinander abgestimmt. Fischer, Védrine, der EU-Chefdiplomat Solana, Belgiens Außenminister Michel: Lieber ein Telefonat mehr als eines zu wenig - so lautete damals die Formel. Doch jetzt, wo es noch einen viel ernsteren Konflikt gibt, soll Schluss sein mit lustig. Es ist Krieg, und der ist in erster Linie eine Angelegenheit für die großen drei in der EU. Dabei handelt es sich - wer hätte das gedacht? - um Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Unter Ausschluss der restlichen EU-Mitglieder haben Chirac, Blair und Schröder ein separates Treffen im belgischen Gent organisiert, um über die Lage in Afghanistan zu sprechen. Die drei wollten lieber unter sich sein, weil es bei ihrem Sonder-Gipfel um Militärisches ging. Sehr überzeugend klingt das nicht. Von den drei Staaten ist bislang nur Großbritannien an der amerikanischen Aktion in Afghanistan beteiligt - und das vor allem mit Aufklärungs- und Tankflugzeugen. Auf Großbritannien, Frankreich und Deutschland werden - wie auf den Rest der EU - in erster Linie humanitäre Aufgaben zukommen. Deshalb kommt ihr Treffen direkt vor dem EU-Gipfel einem Affront gleich - gegen den Rest der EU und gegen alle, die an einer gemeinsamen Außenpolitik arbeiten.

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