Drei Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Obama übernimmt globale Verantwortung, die Deutschen tun's auch ein bisschen, und Schottland soll sich abspalten.

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Obama ruft die Welt zum Kampf gegen den IS auf. Ist er ein Bush light?

Nein, aber er beginnt, wie der Präsident der Weltmacht zu agieren. Anders als W. will er keinen „regime change“. Die Ziele sind realistischer. Obama hat allerdings erkannt, dass er falsch lag, als er dozierte: „Alle Kriege müssen irgendwann enden, auch der gegen den Terror.“ Oder als er wähnte, Amerika aus der weltweiten Verantwortung befreien zu können. Denn da ist niemand anderes, der sich IS, Russland und dem nächsten Greifer nach der Macht entgegenstellen kann. Er wird sich wie W. eine Koalition zusammenschirren, aber die Hauptlast der Kämpfe bleibt auf den Schultern Amerikas.

Was können die Deutschen zu dem Kampf beitragen?

Sie tun’s ja schon, indem sie Waffen an die Kurden im Nordirak liefern – ganz gegen das Dogma: „Wenn ihr kämpfen müsst, dann bitte nicht mit unserem Gerät. Wir liefern nämlich nix in Kriegszonen, so sorry.“ Der wichtigste Beitrag ist die zögerlich wachsende Überzeugung, dass IS und Co. auch deutsche Interessen verletzen, indem sie z.B. Flüchtlinge auf unsere nette Insel treiben. Bevor Deutschland aber wirklich etwas tun kann – im Sinne von Gewalteinsatz für Menschenrechte oder Interessen –, muss es sich die Mittel dafür zulegen. Das hieße: Wehretat und Rüstung rauf, vor allem für Projektionskräfte, die „hinten, fern in der Türkei“ (Goethe) auch agieren können.

Soll Schottland bei Großbritannien bleiben?

WmdW, der zwar in Hamburg arbeitet, aber seit 35 Jahren als Beutebayer fungiert, sagt Nein. Er wünscht sich, dass die beleidigte Queen den Abtrünnigen ihre schottische Krone ins Loch Ness wirft und nur noch für Restbritannien zuständig ist. Dann ist Herzog Franz von Bayern, ein Nachfahr der Stuarts, Erster in der Linie für den schottischen Thron. Besser als die Windsors wäre „Francis II.“ allemal: keine Skandale, kein Medienrummel – dafür ein ernsthafter, hochgebildeter Monarch, der als Kunstexperte weltweiten Ruf genießt; dazu bescheiden und klug. WmdW weiß nur nicht, ob er Franz zumuten darf, das schöne Nymphenburg mit irgendeinem dunklen Gemäuer in Edinburg zu vertauschen.

- Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: Moritz Schuller.

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