Drei Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Warum Obama mehr wie Merkel sein sollte und warum Bonn doch Hauptstadt hätte bleiben sollen

von
Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Paris will Hilfe für Mali: Wird unsere Sicherheit in Timbuktu so verteidigt wie am Hindukusch?

Eine heimtückische Frage, die schon die Antwort enthält. Denn: Sind die USA ab 2014 weg, sind die Taliban wieder da. Das war’s dann mit der Verteidigung von Kundus. Trotzdem: Strategisch ist unser Interesse schon klar: In Mali soll kein zweiter Qaida-Staat entstehen. Bloß hapert’s mit der Ausführung. 2500 Franzosen sind nicht genug, denn heute kämpfen die Eingeborenen nicht mehr mit Speeren, sondern Raketen. Sie beherrschen den Häuserkampf in Städten wie Timbuktu besser als wir; jeder Ziviltote in den Abendnachrichten schwächt die gute Sache des Westens. Deshalb fehlt ihm die Durchhaltekraft. Schließlich: Mehr Projektionskräfte als 8000 bringt Deutschland nicht auf. Falls wir uns einmischen wollen, müssen wir warten, bis unsere 4000 Jungs aus Afghanistan zurückgekehrt sind.

Wird Amerikas Präsident in seiner zweiten Amtszeit mutiger sein?

Was heißt „mutiger“? Kein US-Präsident hat je drei Billionen Dollar an neuen Schulden aufgehäuft, zu einem Gesamtberg so hoch wie das Inlandsprodukt. Obama hat zehn Mal mehr Drohneneinsätze befohlen als George W. Er ist keinen Millimeter vor der Opposition zurückgewichen und hat somit zur Lähmung der Politik so viel beigetragen wie die Republikaner. Um die richtig zu ärgern, hat er jetzt ein Außen- und Sicherheitsteam aufgestellt, das weit links von Clinton (State) und Panetta (Pentagon) steht. Manchmal wünschte man sich weniger Mut und mehr Kompromisslertum. Wie wär’s mit „Angie for President“?

Berlin und das BER-Debakel: Hätte Bonn Hauptstadt bleiben sollen?

Eine brillante Idee mit vielen Vorteilen. Keine Staatsbesuche, Auftriebe und Demos in Berlin, die regelmäßig den Verkehr zusammenbrechen lassen. Keine Absperrungen und Polizeiaufmärsche. Tegel wäre der bequemste Flughafen auf Erden geblieben. Für Bonn reicht CGN (Köln), die Langstrecke wird per ICE über Frankfurt abgewickelt. Das Hauptstädtchen Bonn hätte alle Erwartungen erstickt, wonach Deutschland zur Führungsmacht Europas aufsteigen möge. Und der alte BER hätte sich weiter um Pauschalflüge nach Kuba gekümmert. Vielleicht wäre sogar Tempelhof im Geschäft geblieben. Da konnte man früher mit der U-Bahn hin.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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