Dresdner Mordprozess : Hass auf Muslime

Nicht Kopftücher und fromme Muslime sind das Problem dieses Landes - sondern der ressentiment- bis hassgeladene Blick auf sie.

Andrea Dernbach

Heute beginnt der Mordprozess im Fall Marwa el-Sherbini, jener jungen ägyptischen Apothekerin, die Anfang Juli vor den Augen ihres Mannes und ihres kleinen Sohnes im Dresdner Landgericht erstochen wurde, weil ihr Mörder glaubte, Nichteuropäer und Frauen mit Kopftuch hätten kein Lebensrecht in Deutschland. Elf Verhandlungstage sind angesetzt und es ist zu hoffen, dass in dieser Zeit nicht nur dieser eine Fall aufgeklärt und der Täter bestraft wird. Gut wäre es, wenn auch eine Debatte darüber in Gang käme, was über diesen Fall hinausweist. Alex W., der Marwa el-Sherbini mit unglaublicher Brutalität umbrachte und ihren Mann lebensgefährlich verletzte, hat über sie in einer Weise geredet, die so weit gar nicht weg ist davon, was der gutbürgerliche Diskurs über den Islam zu wissen und meinen zu dürfen glaubt – die Rekonstruktion der Tat und ihrer Vorgeschichte durch die Staatsanwaltschaft gibt darüber erschütternden Aufschluss. In Berlin will in wenigen Tagen die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus über Integration diskutieren. Einer der Moderatoren ist nicht nur Christdemokrat, sondern auch Mitglied des islamophoben Vereins „Pax Europa“, der für die Veranstaltung unter dem Titel wirbt „Der Islam – ein Integrationshindernis?“. Gut, dass man in der CDU selbst darin ein Problem zu sehen beginnt. Noch besser wäre es, auch außerhalb der Union endlich zu erkennen, dass nicht Kopftücher und fromme Muslime das Problem dieses Landes sind. Eines der größten Integrationsprobleme ist der ressentiment- bis hassgeladene Blick auf sie.

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