Meinung : Drogenpolitik: Der Spritze die Spitze nehmen

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Ruhig ging es zu in der rot-grünen Drogenpolitik. Bis Mittwoch. Die kontrollierte Abgabe von Heroin, sei es auch nur als Versuch, bricht mit einer repressiven Tradition: Fixerstuben vielleicht, aber bitte kein harter Stoff vom Staat. Eine liberale Wende läutet sie dennoch nicht ein - und das ist auch vernünftig. Liberalisierung kann nur ein Modell sein, wenn die Gesellschaft bereit ist, sie nachzuvollziehen. So wenig sie jedoch ihre wichtigste Droge, den Alkohol, kriminalisiert, so wenig möchte sie harte Drogen wie Heroin entkriminalisieren. Es ist nicht immer das richtige Konzept, auf Legalisierung zu beharren, nur weil das bestrafte Handeln zum Alltag gehört. Sonst dürfte auch der massenhafte Ladenklau längst kein Diebstahl mehr sein. Eine Gesellschaft braucht ihre Grauzonen. In der Drogenpolitik stellt sich ohnehin ein anderes Problem. Sucht kommt von siechen, und wer siecht, ist krank. Mit einem neuen Gesetz ist kranken Menschen meist so wenig geholfen wie mit der Abschaffung eines alten. Dennoch ist jeder Drogentote, wie jeder Verkehrstote, ein Toter zu viel. Dass nicht nur ihre Zahl steigt, sondern auch ihr durchschnittliches Alter, zeigt, dass der gefährdete Langzeitsüchtige keine Erfindung der Bundesregierung ist. Ihn probeweise gezielt zu unterstützen - auch mit Heroin - ist kein brillanter neuer Einfall. Es ist ein Vorschlag, der vorhandene Hilfe ergänzt und nur ein kleiner Teil dessen sein kann, was man staatliche Drogenbekämpfung nennt. Bedenklich an dem Modellversuch ist allein, dass wir ihn nötig haben.

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