Meinung : Drohnen drohen

„Die Henkerrichter“ vom 21. April

Die neue waffentechnische Entwicklung weckt in der Tat große Besorgnis. Ihre Folgen sind unabsehbar, weil sich ganz neue Möglichkeiten der Kriegsführung ergeben, wie Robert Birnbaum mit Recht betont. Dennoch gehen seine Überlegungen von Anfang an in eine falsche Richtung. Man kommt der Sache nicht bei, wenn man sich auf Fragen der Fairness konzentriert. Solche Kritik hat bisher noch jede militärische Neuerung im technischen und strategischen Bereich geweckt; um das zu wissen, braucht man nicht Caesars „De bello Gallico“ zu kennen. Auch muss man sich über das Missbehagen hinwegsetzen, das die Vorstellung weckt, junge Männer säßen irgendwo in Leitstellen fernab und spielten ihr Computerspiel, während andernorts die von ihnen gelenkten Geschosse Tod und Verderben bringen. Die Ausmalung der Grauen, die mit dem Einsatz von „Kampfdrohnen“ verbunden sind (die „monatelange Verfolgung“ des „Opfers“), überzeugt nicht, denn der Krieg war und ist in jeder seiner Facetten grauenvoll.

Im Gefühl verankerte Vorbehalte können weder die Entwicklung noch den Einsatz von Waffen aufhalten. Weil man Argumente auch von ihrem Effekt her beurteilen kann, muss Birnbaum sich sogar den Vorwurf gefallen lassen, er verschaffe den Befürwortern noch Zeit für ihre Projekte. Will man aber die Debatte wirklich beeinflussen, müssen handgreifliche Argumente formuliert werden. Und da sehe ich keine anderen als die, die sich aus der ungeklärten Rechtslage ergeben. Sie sind stichhaltig, weil sie die militärische Praxis begrenzen und zu einer Kontrolle führen können. Denn wenigstens in den westlichen Staaten handeln Befehlshaber und Geheimdienstangehörige nicht autonom. Es besteht die Chance, sie zur Rechenschaft zu ziehen. Solange kein Kriegszustand ausgerufen ist, verstößt der Einsatz von Drohnen

gegen die UN-Charta.

Überdies darf die technische Gegenentwicklung nicht außer Acht bleiben. Sie war letzten Endes bisher bei vergleichbaren Innovationen der Militärtechnik noch stets die wirksamste Erwiderung und wird es wohl auch in diesem Fall sein.

Dr. Matthias Wolfes,

Berlin-Charlottenburg

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