Dschungelcamp : „Ich dachte, es kommen keine Tiere“

RTL-Dschungelkönig Anthony Ross im Porträt.

Dagmar Rosenfeld

Es kamen Tiere und Tierhinterteile. Ross Anthony hat sie gegessen, auch den Känguruanus. „Ein Arsch? Ihr seid bescheuert“, ruft er und beißt zu. Genau wie beim Krokodilpenis – Känguruhoden waren wohl aus, weil die zuvor schon Barbara Herzsprung gegessen hat. Ein Weichei, das war Ross, als er vor 16 Tagen ins RTLDschungelcamp einzog, das er nun als König verlässt.

Nasse Socken, nur alle drei Tage eine frische Unterhose, ein Knistern im Gebüsch, eine Ratte vor seiner Schlafpritsche – es gab nichts, was Ross nicht die Tränen in die Augen trieb. Ein Mann von 33 Jahren, der ohne Basil, seinen abgeliebten Teddy, im Arm nicht schlafen kann und Basil sogar zu den Dschungelprüfungen mitschleppt. Kein anderer Campbewohner wurde von den Zuschauern so oft für eine Prüfung nominiert wie Ross. Weil kein anderer so dramatisch-unterhaltsam leiden konnte. Weil kein anderer uns so demonstrativ daran teilhaben ließ, wie er immer wieder Ekel, Angst und Panik überwindet. Weil er einfach die beste Show geliefert hat im Camp, das ansonsten von Gutmenschen, Senilen und In-sich-selbstRuhenden bewohnt wurde.

So lässt Ross sich festketten und mit Kakerlaken, beißenden Ameisen, Aalschleim überschütten. Hysterisch zappelnd liegt er auf dem Boden, schnappt nach Luft, schreit nach seiner Mami – aber er zieht es durch. Dabei hätte man ahnen können, dass er hart im Nehmen ist. Schließlich hat er die Castingshow „Popstars“ und Detlef D. Soost überlebt. Er weiß, wie es ist, gequält, erniedrigt und über seine Grenzen getrieben zu werden. Letztlich sind Dschungelcamp, Bata Illic, Michaela Schaffrath, Schlangen, Maden und Krokodilpenisse die Fortsetzung von „Popstars“, nur mit anderen Mitteln. Und nicht zuletzt deswegen ist Ross Dschungelkönig geworden.

Nach Costa Cordalis und Désirée Nick auf dem Dschungelthron nun also Ross Anthony. Mit ihm wird die Herrschaft des abgehalftert Gestrigen, des divenhaft Künstlichen beendet. Er bringt einen Generationenwechsel und einen neuen Führungsstil ins Dschungelland. Aktionistisch, manchmal hyperaktiv, im Dienst für die Gruppe über sich selbst hinauswachsend, ohne Angst vor großen Gefühlen und kleinen Tieren – so wird er herrschen, bis die nächsten überschuldeten, eigentlich schon in Vergessenheit geratenen oder gescheiterten C-Promis Deutschlands ins Dschungelcamp ziehen. Lang lebe König Ross der Erste.

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