Meinung : Durchgefallen

Berichterstattung zur Plagiatsaffäre von Annette Schavan

Erst Karl-Theodor zu Guttenberg, dann Silvana Koch-Mehrin und nunmehr Annette Schavan, das Internet macht mittels Plagiatfindern eine Auffindung zeitsparend möglich. Es zielt offensichtlich immer in eine Richtung: Politiker zu überführen, um sie damit möglicherweise ausschalten zu können.

Diese Nachrichten häufen sich im

Gegensatz zu früher geradezu sensationell, und da stellt sich die Frage, wie man früher, wenn sich überhaupt jemand dafür interessiert hätte, mit

einem Plagiat umging.

Um ein Beispiel dafür zu finden, brauchte ich kein Internet. Ich las das Buch von Dietrich Schwanitz, „Bildung – Alles was man wissen muß“, und wurde auf Seite 236, Thema „Die Europäische Literatur“ zu Friedrich Schiller fündig und darf hiermit zitieren: „Schiller begann seine Karriere mit dem Paukenschlag von ,Die Räuber’ 1782 ... Das Mannheimer Publikum war bei der Erstaufführung so begeistert, dass sich wildfremde Menschen in die Arme fielen. Es war ihnen egal, dass Schiller seine rivalisierenden Brüder aus Shakespeares König Lear gestohlen hatte.“

Frage: War man früher bei Plagiaten etwas großzügiger oder ist die Plagiatsuche ein heute häufiger denn je anzutreffendes Mittel, dem politischen Gegner ganz kräftig eins auszuwischen und nachzutreten? Wer ist die/der Nächste?

Nils Boettcher, Berlin-Zehlendorf

Ist die Aberkennung des Doktorgrads von Annette Schavan für die bundesrepublikanische Wissenschaft ein Sieg? Wenn es die Deutsche Einheit nicht gäbe, könnte die Frage mit einem einfachen Ja beantwortet werden. Was ist zum Beispiel mit der Dissertation von Alexander Schalck-Golodkowski, ehemaliger DDR-Devisenhändler, der in Jura promoviert hat und dessen Doktorvater Erich Mielke ein Arbeiter ohne Abitur und Studienabschluss war?

Was ist mit den „ideologisch völlig auf Linie“ verfassten Dissertationen im Arbeiter- und Bauernstaat, die im Übrigen nur selten an einer Universität, sondern eher an irgendeinem Institut oder einer Akademie erbracht wurden? Wie akademisch sind diese Leistungen eigentlich?

Anders als bei Annette Schavan und all den anderen Betroffenen, deren Doktorgrad in der Vergangenheit entzogen wurde, ist hier einfach nichts überprüfbar. Die Öffentlichkeit kann hier nicht einmal den Doktorvater erfahren, den muss sie allenfalls erahnen. Möglich ist das aufgrund der Geheimniskrämerei in der DDR. Es gab keine Pflicht zur Archivierung von Dissertationen, jede fünfte wurde sogar in diesem Staat, der stets voller Stolz auf sein Bildungssystem war, als geheim eingestuft.

Fast 22 Jahre nach der Deutschen Einheit erscheint es durchaus opportun, auf diesen Umstand einmal hinzuweisen.

Karol Brix, Berlin-Steglitz

Wenn denn, wie gemeldet, die Plagiatsverstöße der Frau Schavan quantitativ und qualitativ so massiv sind, dass die Uni Düsseldorf ihr jetzt, nach 33 Jahren (da ist z. B. im Strafrecht alles außer Mord verjährt!), noch den Doktor-Titel rückwirkend aberkennen musste: Wer jagt denn dann konsequenterweise auch die blutigen Wissenschafts-Laien der Uni Düsseldorf aus ihren Lehr- und Prüfbefugnissen und -ämtern? Bitte ebenfalls rückwirkend, gerne auch posthum. Die als Doktorvater und sonstige mit der Betreuung der Arbeit befasst gewesenen „Wissenschaftler“ der Doktorandin dies bösartige Treiben damals haben durchgehen lassen und es nach 33 Jahren auch erst auf Anstoß von außen „bemerkt“ haben?

Bernhard Jahntz, Berlin-Lichterfelde

0 Kommentare

Neuester Kommentar