Meinung : E-Mail vom Tschänzler

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Es gibt kaum eine Frage im zwischenmenschlichen Bereich, die so schwer zu beantworten ist wie diese: Wer ruft wen an? „Rufen Sie nicht an, wir rufen Sie an“ – das heißt zu Deutsch: Scher dich zum Teufel. „Ich ruf dich an!“ nach der gemeinsamen Nacht heißt: Scher dich zum Teufel. Und die ebenso beliebte Formulierung „Wir telefonieren mal demnächst“ heißt … Schon gut. Viel Kommunikation wird so vermieden, generell kein Nachteil, außer es betrifft befreundete Regierungschefs. Nun hören wir, George W. Bush und Gerhard Schröder hätten seit Monaten nicht mehr miteinander telefoniert. Wie kommt das? Nummern weg? Jeder Grundschüler kann sie im Internet in Sekunden ermitteln. „Tschänzler Schröder hier“, hätte Schröder also mindestens sagen können, „I want to speak with Mister President Bush“. Doch vermutlich hat die Telefonistin im Weißen Haus strikte Anweisung, niemanden durchzustellen, der sich als Kanzler von irgendwo ausgibt, Schröder nahm das als Affront, und nun ist der Kontakt endgültig hin. Die einzige Chance besteht jetzt darin, dass einer der beiden Machthaber über seinen Schatten springt und eine EMail oder SMS schickt. Nur ein Emoticon! Ein verschmitztes ;-) oder ein trauriges :-(. Könnte der Beginn einer neuen, ruhmreichen transatlatischen Freundschaft sein.

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