EADS-Vorsitzender Thomas Enders : „Louis oder ich wären lieber alleiniger Chef“

Bis vor wenigen Monaten ließen die politischen Verhältnisse an eine Abschaffung der traditionellen Doppelspitze beim EADS-Konzern nicht denken. Jetzt scheint es doch schneller zu gehen.

Bernd Hops

An seinem Führungsanspruch hat Thomas Enders nie einen Zweifel gelassen: „Sowohl Louis Gallois als auch ich wären jeweils lieber der alleinige Chef im Ring“, sagte der Ko-Chef des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS vor wenigen Monaten. Aber die politischen Verhältnisse zu der Zeit ließen an eine Abschaffung der traditionellen Doppelspitze bei dem Konzern nicht denken.

Jetzt scheint es doch schneller zu gehen. Auch die Politik hat den Proporz beim Airbus-Mutterkonzern als Problem erkannt und will Enders wahrscheinlich als einzigen Chef. Bisher muss er sich die Macht mit dem Franzosen Louis Gallois teilen, mit dem der Deutsche den Umständen entsprechend auch gut zusammengearbeitet hat. Das Verhältnis zu Gallois’ Vorgänger Noel Forgeard war nicht ganz so entspannt. Als Forgeard im vergangenen Jahr wegen der Produktionsprobleme beim A 380, dem neuen Superjumbo von Airbus, und wegen des Verdachts auf Insiderhandel gehen musste, behauptete er, eine Verschwörung sei gegen ihn im Gange gewesen. Enders überstand die Krise unbeschadet.

Dabei ist dem 48-Jährigen vor allem eines zugute gekommen: seine Geradlinigkeit. „Er ist sehr hart gegen sich selbst, analysiert messerscharf, hat aber auch einen guten Humor“, sagt ein Mitarbeiter. Auch Luxus ist nicht seine Sache. Im Münchner EADS-Gästekasino setzte der gebürtige Westerwälder durch, dass auch wieder bodenständige Gerichte wie Leberkäse auf der Karte stehen. Und nach Forgeards Rücktritt wurde dessen luxuriöses Büro am Airbus-Standort Toulouse frei. Auf Enders’ Wunsch wurde daraus ein neues Besprechungszimmer – für alle.

Ebenfalls nützt Enders bei einem Unternehmen, in dem Franzosen und Deutsche peinlich genau auf die Machtbalance achten, seine politische Erfahrung: Enders hat Volkswirtschaft nur im Nebenfach studiert und den Hauptabschluss in Politik und Geschichte gemacht. Zunächst Assistent im Bundestag, wurde er zum wissenschaftlichen Mitarbeiter der Konrad-Adenauer- Stiftung. Dann kam der Major der Reserve in den Planungsstab des Verteidigungsministeriums. Von dort wechselte er 1991 in die Wirtschaft – als sicherheitspolitischer Berater von MBB/Dasa. Schließlich rückte Enders, dem Etiketten wie „Atlantiker“, „Europäer“, aber auch „Patriot“ angeheftet werden, 2000 in den Vorstand von EADS auf, 2005 wurde er Kochef. Nun steht er vermutlich schon bald allein an der Spitze. Bernd Hops

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben