Eagles of Death Metal in Paris : Jesse Hughes - Symbolfigur mit Widerspruch

Der Sänger der „Eagles of Death Metal“ spielte mit seiner Band vor Bataclan-Überlebenden - und fiel mit fragwürdigen Forderungen auf. Ein Kurzporträt.

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Jesse Hughes will wirklich in Paris sein.
Jesse Hughes will wirklich in Paris sein.Foto: AFP/Joel Sagat

Auf den ersten Blick sieht Jesse Hughes aus wie immer: Rosa Fliegerbrille, pomadisiertes Haar, rotblonder Vollbart; Lederjacke, Jeans und T-Shirt mit Metalgruß. Und doch ist alles anders.

Während des Interviews mit einer französischen Journalistin vor zwei Tagen verzieht „The Devil“ sein Gesicht immer wieder voller Schmerzen, er wirkt unsicher und weint. Am 13. November eröffneten drei Dschihadisten vor seinen Augen beim Konzert seiner Band „Eagles of Death Metal“ im Pariser Konzertsaal Bataclan das Feuer, warfen Handgranaten in die Menge, ermordeten 90 Menschen. Seit diesem Tag habe er keine Alpträume gehabt, sagt er. Sein Leben sei jetzt ein einziger Alptraum.

„Wir können die Bösen nicht gewinnen lassen“, sagte er dem Sender iTele. Die Band ist zurück in Paris, um das Konzert vom 13. November zu beenden. Alle Überlebenden des Bataclan-Massakers waren am Dienstag in die Konzerthalle L’Olympia eingeladen. „Ich verstehe aber, wenn einige nicht die Kraft dazu haben“, sagte Hughes am Montag.

Jeder sollte Waffen tragen dürfen, findet Hughes

Auch ihm scheint die Kraft manchmal zu fehlen. Die Fans erwarteten von ihm, dass er den richtigen Weg aufzeige, meint der 43-jährige Kalifornier. Aber manchmal wisse er auch nicht, was man tun sollte – und macht dann doch einen Vorschlag: „Haben die französischen Waffengesetze den Mord einer einzigen Person im Bataclan verhindert?“, fragt er. „Solang es nicht so ist, dass niemand Waffen hat, sollte jeder Waffen haben.“

Schon vor den Attentaten fiel Hughes mit fragwürdigen Aussagen auf. Er nennt Barack Obama einen „kommunistischen Schwanzlutscher“ und Verbrecher. 2013 bezeichnete er sich als „ultimate right wing extremist“: Er ist Mitglied der National Rifle Association und der Internet-Sekte „Universal Life Church“. Er schwärmt von Ronald Reagan und Donald Trump. An seiner Liebe zu Waffen konnte auch Waffengewalt nichts ändern.

Bittere Ironie

„Bonsoir Paris, we're ready for this!“, ruft Hughes am Anfang des Konzerts. Etwa 500 Überlebende des 13. November sind gekommen. Um die anderen, die dem Druck der Erinnerung noch nicht standhalten, kümmern sich 30 Psychologen.

Jesse Hughes steht auf der Bühne wie ein Symbol der Widerstandskraft, wie eine Ikone des Trotzes gegen den Terror. Es ist die bittere Ironie des Konzerts, dass die Menschen im Saal einen Mann beklatschen, der aus einem Massenmord mit Schusswaffen folgert, dass sich mehr Menschen bewaffnen sollten.

Ende des Jahres soll das Bataclan nach Renovierungen wieder eröffnet werden. Jesse Hughes kündigte bereits an, mit den Eagles of Death Metal das erste Konzert im neuen Bataclan spielen zu wollen.

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