Edmund Duckwitz : „Ohne meinen Onkel wäre ich nicht Diplomat“

Wilhelm Schönfelder hat nach acht Jahren den Posten des EU-Botschafters an Edmund Duckwitz abgegeben.

Thomas Gack

Mitten in der Sommerpause fand still und leise der Stabwechsel auf einem der wichtigsten Posten statt, den das Auswärtige Amt zu vergeben hat: Botschafter Wilhelm Schönfelder übergab nach acht Jahren die Amtsgeschäfte an Edmund Duckwitz. Der geborene Bremer, der mit einer Niederländerin verheiratet ist, hat keinen großen Umzug hinter sich. Der 58-jährige Diplomat wechselte Ende August nämlich vom Schreibtisch des deutschen Nato-Botschafters im Brüsseler Hauptquartier der Allianz in die deutsche Botschaft in der Rue de Lalaing.

Als „Ständiger Vertreter“ bei der EU wird der Karrierediplomat jedoch weit mehr politische Gestaltungsmöglichkeiten haben. Während sich nämlich die Botschafter bei der Nato, in Washington, Paris oder London in Zeiten problemloser Telefonkontakte zwischen den Regierungszentralen immer mehr mit der zwar prestigeträchtigen, aber politisch unbedeutenden Rolle von Repräsentanten zufriedengeben müssen, fallen im „Ausschuss der Ständigen Vertreter“ bei der EU politische Entscheidungen. In dem wöchentlich tagenden Gremium der Botschafter werden die Ministerräte vorbereitet. Nur die heikelsten Fragen, über die sich die erfahrenen Spitzendiplomaten nicht einigen können, werden dann an die Minister zur Entscheidung weitergegeben.

Der promovierte Jurist Duckwitz ist mit der europäischen Politik seit langem vertraut. Zu Zeiten des Europäers Helmut Kohl war er im Kanzleramt stellvertretender Leiter der außenpolitischen Abteilung. Rot-Grün betraute ihn dann mit verschiedenen Botschafterposten, zunächst Caracas, dann Den Haag. Damals hat Angela Merkel den hochgewachsenen, schlanken Diplomaten kennen- und offenbar auch schätzen gelernt. Wer ihn bei den Besprechungen im Kreis seiner Mitarbeiter erlebt, spürt, dass Edmund Duckwitz alles andere als ein trockener Karrierebeamter und Befehlsempfänger ist. Ohne das Vorbild seines Onkels wäre er nie Diplomat geworden, gibt er zu. Sein Onkel Georg Ferdinand Duckwitz hat im Zweiten Weltkrieg als Diplomat in Kopenhagen entscheidend dazu beigetragen, dass die dänischen Juden fast alle gerettet werden konnten. Dafür wurde er von der Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem in den Kreis der „Gerechten unter den Völkern“ aufgenommen. Später gehörte er als Staatssekretär des Außenministers Willy Brandt zu den Architekten der neuen Ostpolitik. Edmund Duckwitz steht in der Nachfolge dieser außenpolitischen Tradition.Thomas Gack

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