eG8 Forum in Paris : Die Falschen entscheiden über die Zukunft des Webs

Die digitale Globalisierung wirft Fragen auf. Auf dem eG8-Forum will die Politik zusammen mit Facebook, Google und Co. Antworten finden. Doch die wichtigen Leute fehlen.

Florian Wittig
Gipfel-Teilnehmer: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.
Gipfel-Teilnehmer: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.Foto: dpa

Alle sind gekommen: Mark Zuckerberg von Facebook, Jeff Bezos von Amazon, Eric Schmidt von Google. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy veranstaltet im Vorfeld des G8-Gipfels, der am Donnerstag startet, ein Forum für die großen Fragen des Internets und kann sich über hochkarätigen Besuch freuen.

Zusammen mit Vertretern der G8 und der Telekommunikationsbranche sollen Antworten gefunden werden, die der rapiden technologischen Entwicklung der letzten 20 Jahre gerecht werden. Privatsphäre, Urheberrecht, Wirtschaft – das Internet ist längst in alle Aspekte unseres Lebens eingedrungen und viele Mechanismen der Regulierung und Instrumente der Politik wirken dagegen seltsam behäbig und hilflos. Sarkozy will das Internet jetzt zivilisieren.

Gerade in puncto Urheberrecht sehen viele Internetnutzer und Rechteinhaber eine immer schneller wachsende Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Das Herunterladen von Filmen und Musik gehört zum Alltag der digitalen Welt. Seit über 10 Jahren beschweren sich Rechteinhaber und -verwalter darüber. So auch der Vertreter der Produktionsfirma 20th Century Fox: Er beklagte, dass es doch nur ein legitimes Verlangen sei,  für Entscheidungen wie die Produktion von Filmen wie Avatar entlohnt zu werden. Dass gerade Avatar der finanziell erfolgreichste Film aller Zeiten ist, erwähnte er nicht.

Gerade kleinere Firmen nutzen das Internet längst für alternative Finanzierungsmethoden wie Mikrofinanzierung (micro funding). Kleine Produktionsfirmen stellen ihre Filme sogar bewusst in Tauschbörsen zur Verfügung, um möglichst viele Zuschauer mit ihren Filmen zu erreichen. Ähnliches spielt sich auch auf dem Musikmarkt ab. Vertreter dieser Branche sind jedoch auf dem eG8-Gipfel nicht eingeladen. Einzelne Blogger haben Einladungen sogar bewusst zurückgewiesen, da sie befürchten, das Forum könnte dazu dienen, die Neutralität des Netzes abzuschaffen.

Diese Befürchtungen könnten sich als berechtigt erweisen: Eric Schmidt, ehemaliger Google-Chef, warb etwa dafür, “zuerst technische Lösungen” für Probleme des Internets zu finden und ergänzte, dass gerade Google auf dem Weg sei, neue und bessere Filter für urheberrechtsgeschütztes Material zu entwickeln. Anstatt also über Alternativen nachzudenken, wie es etwa in Großbritannien gerade getan wird, liegt der Fokus weiterhin darauf, das alte Urheberrecht im Internet durchzusetzen.

Der Wirtschaftsfaktor Internet wurde in einer Diskussionsrunde von allen Beteiligten ebenfalls beschworen. Gerade für das ungebremste Wachstum sei es wichtig, politische Regulation zu verhindern. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass vor allem kleine Unternehmen und Selbstständige der Wachstumsmotor des Webs sind. Trotzdem finden sich auch aus wirtschaftlicher Sicht vor allem große Fische auf der Gästeliste des eG8-Forums. Insbesondere Facebook, Google und Co. dürften mit ihren Monopolstellungen von fehlender Regulierung profitieren.

Letztendlich wirkt das eG8-Forum wie eine aus der Zeit gefallene Parallelwelt. Die beteiligten Firmen (die die Veranstaltung zum Teil mitfinanziert haben) beschwören noch einmal den Pioniergeist ihrer Gründertage, obwohl sie längst zu den großen Firmen geworden sind, die sie einst bekämpften. Die Politik beschäftigt sich 10 Jahre zu spät mit den Folgen der Digitalisierung und blendet wirklich dringende Fragen aus: Wie reguliert man ein weltumspannendes Datennetz mit nationalen Gesetzen? Sollte es ein Recht auf Vergessen im Netz geben?

Menschen, die darauf eine Antwort geben könnten, sind nicht gekommen.

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