Meinung : Ehrenwerte Täuschung

DER BRITISCHE LÜGENAUSSCHUSS ZUM IRAK-KRIEG

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Tony Blair habe bestimmt immer im besten Glauben gehandelt, versicherte ExAußenminister Robin Cook dem Unterhausausschuss, der sich seit gestern mit Blairs Irakpolitik befasst. Aber dann zeigte sich, wie reich die englische Sprache ist. Von Halbwahrheiten, Übertreibungen und falschen Versicherungen war die Rede, von Irreführung gar, mit der Blair laut Irak-Dissidentin Clare Short verheimlichte, dass er den Krieg bereits im Frühjahr 2002 mit Bush beschlossen habe. Nur das Wort „Lüge" kam nicht vor. Im Gegenteil. Blairs Problem sei „brennende Aufrichtigkeit und Überzeugung" gewesen, meinte Cook, und Short sprach kühn von „ehrenwerter Täuschung". Es war ein furioser Auftakt dieser Irakanhörung. Bittere, aber bislang unbewiesene Vorwürfe, die umso neugieriger machen auf den Auftritt des Premiers. Aber die Insider aus der Downing Street verweigern dem Ausschuss die Mitarbeit und wollen nur im Geheimen aussagen, vor dem Geheimdienstausschuss. Offenbar will man, dass die Informationen über die Kriegsvorbereitungen der Downing Street so dunkel bleiben wie die Geheimdienstanalysen über Saddams Massenvernichtungswaffen: Eine „Buchstabensuppe", wie Cook es nannte, aus der sich jeder zusammenreimt, was er will. mth

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