Meinung : Ein anderes, neues Land

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Der Libanonkrieg war ein Misserfolg. Dafür müssen nun Israels Ministerpräsident Ehud Olmert und Verteidigungsminister Amir Peretz den höchsten politischen Preis zahlen. Denn das Land hat sich geändert: Was früher als bedauerliche Panne durchging, ist heute unentschuldbar. Und das ist gut so. Die israelischen Bürger und die Justiz des Staates machen die Politiker für Dinge verantwortlich, die vor Jahren kaum Gegenstand von Diskussionen waren. Vor allem verzeiht man der Regierungs- und Armeeführung kein einziges unnötiges Todesopfer und auch nicht den von ihnen verursachten Niedergang der öffentlichen und der militärischen Moral der Soldaten. Die israelische Öffentlichkeit ist klüger geworden – und deshalb müssen Olmert und Peretz zu Recht dafür büßen, dass sie der Armeeführung vor und während des Krieges selbst einfache, auf gesundem Menschenverstand beruhende Fragen nicht gestellt hatten. Doch bald könnte über dem Nahen Osten endlich wieder ein Hoffnungsschimmer leuchten. Der Libanonkrieg hat, auch „dank“ des Versagens der politischen und militärischen Führung, den Israelis bewiesen, was Ariel Scharon erst mit großer Verspätung erkannte, Olmert und Peretz aber nicht wahrhaben wollten: Politische, selbst militärische Probleme lassen sich heute in der Region nicht mehr allein mit militärischen Mitteln lösen. Was bei der südlibanesisch-nordisraelischen Grenze bewiesen wurde, gilt auch für den Gazastreifen und das Westjordanland. cal

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