Meinung : Ein Aufschrei geht durch das Hansaviertel

„Das ist unser Haus“ 17. Juni

Mehr als 1200 Bürger protestieren gegen den Antrag der SPD in der BVV, die Hansa-Bibliothek zu schließen. Sie ist kulturelles Zentrum des Wohnquartiers und denkmalgeschütztes Kleinod der Nachkriegsmoderne, zusammen mit dem U-Bahnhof Hansaplatz vom Architekten Werner Düttmann entworfen. Durch die direkte räumliche Anbindung der Bibliothek an den öffentlichen Verkehr entsteht auch für bildungsferne Bevölkerungsanteile keine Barriere. Die Sichtbarkeit des Medienangebotes am Ausgang der U-Bahn motiviert zum Besuch der Bibliothek. Architektonisch entspricht das differenzierte Raumkonzept den einzelnen Nutzungsformen: vom Suchen der Bücher in klosterartigen Zellen bis zu ruhigen Lesezonen und akustisch abgrenzten Kommunikationsbereichen. Hier wurde erstmals in Berlin eine eigene Kinderabteilung realisiert. Die Bibliotheksräume vermitteln dem Besucher durch Holzdecken und rustikale Schieferfußböden eine Atmosphäre der Behaglichkeit. In den Lesezonen ist der Blick offen in einen idyllisch bepflanzten Innenhof mit einer Skulptur von Bernhard Heiliger. Die raumhohen Glaswände zum Lesegarten lassen sich völlig öffnen und in den Boden versenken. Wenn nun beantragt wird, diese einmalige Bibliotheksarchitektur einer bisher unbestimmten anderen Nutzung zuzuführen, entsteht bei den Bürgern die berechtigte Besorgnis, dass die Hansa-Bibliothek dem gleichen Schicksal ausgeliefert ist wie das Evangelische Konsistorium, ehemals ganz in der Nähe als silberglänzendes Hochhaus, ohne Nutzung dem Verfall und schließlich dem Abriss preisgegeben. Spekulanten, die sich für Grundstücke in solch zentralen Lagen interessieren, gibt es in Berlin genug. Die Bürger des Hansaviertels müssen deshalb frühzeitig protestieren und den Politikern die Schäden aufzeigen, die eine Schließung der Hansa-Bibliothek verursachen würde.Prof. Dr.-Ing. Karl- Hermann Koch,

Berlin-Tiergarten

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