Meinung : Ein ehrenwertes Denkmal

„Klärende Worte“ vom 4. September

Danke lieber Tagesspiegel. Für die klärenden Worte des Altbundeskanzlers Helmut Schmidt zum Beitrag des Herrn Raddatz „Freunde - das ist ein heikler Plural“. Was mich bewegte, als ich las, was Herr Raddatz schrieb, es sei nötig gewesen freiwillig zu „dienen“ damals, das ist der Umstand, dass ich sehr wohl weiß, wie viel damals anders war, als wir uns oft heute daran erinnern oder erinnern wollen. Wir, auch ich, der zum Glück ebenfalls in den Genuss der „Gnade der späten Geburt“ kam (sonst hätte ich das Ende des Krieges vermutlich nicht überlebt), die wir diese Zeit mit viel Glück überlebten, vielleicht auch das, was wir später in der DDR er- und überlebten, wissen nur zu gut, wie sehr positive und negative Umstände unsere Lebenswege bestimmten, ohne dass wir dessen sofort gewahr wurden, diesen Umständen ausweichen konnten, falls es diese Möglichkeit überhaupt gab.

Ein Ehrenmal, das für die aufgestellt ist, die den Mut hatten abzulehnen, was ihnen zugemutet wurde, steht in Bernau, ein „Ehrenmal für Deserteure“. Ein solches Ehrenmal sah ich bisher nirgends in einer anderen Stadt. Das gibt insofern zu denken, dass ich mir sage, Menschen, die sich verweigerten, die sich weigerten etwas Unmenschliches, mit ihrem Gewissen Unvereinbares nicht zu tun, werden auch heute noch oft als „Feiglinge" hingestellt, obwohl sie aller Ehren wert sind. Sie waren nicht feige, sondern mutiger als viele andere, die bereit waren, auf Menschen zu schießen, nur weil sie selber nicht erschossen werden wollten.

Paul Krüger, Sachsenhausen

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