Meinung : „Ein falscher Deal mit den falschen Leuten“

Claudia Keller

Um eine Antwort muss man Israel Singer nicht lange bitten. Der schlanke Mann mit der dezenten Kipa auf dem weißen Haar, hat eine klaren Kompass dafür, was richtig und was falsch ist. Dass das Moskauer Energieunternehmen Gasprom mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder als Berater an der Spitze ausgerechnet mit dem Iran ins Geschäft kommen will, ist für ihn „der falsche Deal zum falschen Zeitpunkt mit den falschen Leuten“. Solange Mahmud Ahmadinedschad den Ton angebe, könne der Iran kein glaubwürdiger Geschäftspartner sein. Dann legt Singer noch eins drauf: Europa müsse sein Verhältnis zu Russland überdenken, wenn der Putin-Regierung kurzfristige Geschäftsinteressen wichtiger seien als die Sicherung des Weltfriedens.

Die rigide Moral ist für Israel Singer Geschäftsgrundlage. Der 64-jährige New Yorker repräsentiert die bedeutendste jüdische Lobbyorganisation: den World Jewish Congress mit Sitz in der Madison Avenue. Heute tagt der Rat des WJC in Berlin, die Bedrohung durch den Iran steht ganz oben auf dem Programm.

Singer ist nicht nur das diplomatische Aushängeschild des WJC, sondern auch der Präsident der Jewish Claims Conference. In den 80er Jahren kümmerte er sich zunächst um die Juden in der Sowjetunion und später um die Wiedergutmachung für Holocaust-Opfer in Westeuropa. Sein größter Coup: 1998 zwang er die Schweizer Großbanken in die Knie. Als Entschädigung für jene Konten, deren jüdische Inhaber sich nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gemeldet hatten, mussten sie 1,25 Milliarden Dollar zahlen.

Singer sei eine „harte Nummer“ gefahren, sagen Mitstreiter wie Gegner. Seine Unnachgiebigkeit hat Wurzeln in der Vergangenheit: Die Eltern flohen vor den Nazis aus Wien und kamen 1942 in die USA. Kurz danach wurde Israel Singer geboren – als amerikanischer Staatsbürger. Durch ihn sind auch die Eltern Amerikaner geworden. Singer hält große Stücke auf Amerika und dessen Einwanderungsrecht. Wer so unnachgiebig ist, macht sich nicht nur Freunde. Aber daran ist Singer schon seit Jugendtagen gewöhnt, als er in New York für die Rechte der Schwarzen demonstrierte und verhaftet wurde. So kompromisslos der gelernte Politikprofessor und Rabbiner einerseits ist, so charmant kann er aber sein und die unterschiedlichsten Persönlichkeiten an einen Tisch bringen. Heute sind es unter anderem Joschka Fischer und ein katholischer Kardinal.

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