Meinung : Ein Frage der Ehre

Ist Wulff ein „Politprofi“ von Stephan- Andreas Casdorff vom 17. September:

In das Lob, das Herr Casdorff in der Angelegenheit Sarrazin dem Bundespräsidenten Wulff zollt, kann ich nicht einstimmen. Zuerst war Sarrazin im Amt bei der Bundesbank nicht tragbar, dann wurde seine Entlassung zurückgenommen; damit verbunden wurde auch die Begründung, nach der er untragbar sei, kassiert. Es folgte eine Gehaltsverhandlung, die damit endete, dass Herr Sarrazin nach nicht einmal zweijähriger Tätigkeit Ruhegehaltsbezüge von 10 000 Euro erhält. Alle Beteiligten sind zufrieden.

Der Vorwurf, Sarrazin weiche von der politischen Korrektheit ab, ist gegenstandslos. Alle, die der Meinung sind, Sarrazin habe mit seinen Äußerungen zu Juden und moslemischen Ausländern nur einmal ganz klar gesagt, was viele denken, fühlen sich politisch rechtschaffen.

Es bleibt nur noch die blöde SPD, die Herrn Sarrazin aus ihren Reihen ausschließen will oder zu müssen glaubt. Vielleicht kann Herr Wulff da auch vermitteln und ein Parteiruhegehalt aushandeln, damit Herr Sarrazin nach 35-jähriger Mitgliedschaft aus der SPD austritt. Danach bekommen Wulff und Sarrazin das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Martin Lotz, Berlin-Zehlendorf

Bundespräsident Christian Wulff hat sich schon in seiner Antrittsrede als Wellenreiter und strammer Vertreter der politischen Korrektheit gezeigt, ohne unabhängigen, selbst gebildeten Standpunkt, ohne echte eigene Überzeugung und Perspektive. Seine bisherige Amtsführung hat das bestätigt. Er steht dem politischen Establishment und den Verkündern der politischen Korrektheit sehr viel näher als einer verfassungsgemäßen Amtsführung und dem Volk, für das er offenbar keine Antenne hat; im Fall Sarrazin entschied bei verschiedenen Umfragen eine rund 90-prozentigen Mehrheit anders als er zuvor. Wie geht es weiter?

Dierk Lübbers, Münster

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