Meinung : Ein Heiratswilliger, zwei Partner

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Von Robert von Rimscha

Was kommt vom Wahlkampf beim Bürger an? Schröder oder Stoiber. SPD oder Union. Weiter so oder Wechsel.

Erst beim zweiten Hinsehen erinnert sich die Republik daran, dass Schröder vorgibt, für Rot-Grün zu kämpfen. Und dass Stoiber stets die FDP als „potenziellen Partner“ bezeichnet. Eine Große Koalition möchte niemand, ausschließen will sie auch keiner.

Was macht also eine kleine Partei inmitten dieser Wirrnisse? Wolfgang Kubicki aus dem hohen Norden sagt, was man längst von ihm weiß: Sozialliberal ist ihm lieber als Schwarz-Gelb. Als Mini-Kompetenzlerin tritt Margarita Mathiopoulos bei den Liberalen ein, die Willy Brandt einmal als SPD-Sprecherin auserkoren hatte. Partei-Vize Walter Döring schreibt Stoiber ins Stammbuch, eine Rücknahme des Zuwanderungsgesetzes sei mit den Liberalen nicht zu machen. Der Wähler versteht: drei kleine Signale, dass die FDP nicht so fest an die Union gekettet ist, wie das demoskopische Blockdenken nahe legt.

Die Formel Schwarz-Gelb gegen Rot-Grün ist gleichermaßen eingebürgert wie unangenehm: für die FDP. Die Liberalen ziehen ohne Koalitionsaussage in die Schlacht, wollen kräftig und eigenständig sein. Da ist ab und zu ein Tritt vor das Schienbein des angeblichen Wunschpartners nützlich, damit der Bürger merkt: Die sind noch nicht verlobt!

Politische Liebe richtet sich nach Zahlen. Nach dem 22. September regiert, wer eine Mehrheit hat. Richtig ist: Zu Zeiten der Möllemannschen Antisemitismus-Debatte galt eine sozialliberale Ehe als unwahrscheinlich. Richtig ist aber auch: In dem Maße, in dem Schröder sich durch Hartz weiter ent-traditionalisiert, rückt Rot-Gelb wieder näher. Dass der Umschwung, der keiner ist, nicht zu weit geht, dafür sorgt Parteichef Westerwelle. Schröder werde Rot-Grün notfalls von der PDS tolerieren lassen, falls Rot-Gelb zu schwach werde, hat er gerade verkündet.

Im Klartext: Auch wer Schröder-modern will, kann FDP wählen. Wer Stoiber-light will, sowieso. Die gewichtigen Worte diverser FDP-Oberen sind keine Eheschwüre. Der FDP liegt daran, dass als Botschaft bleibt: Nur ein Kreuzchen bei den Liberalen sichert Reform und Antikommunismus.

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