Meinung : Ein Kind bringt mehr

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Kaum etwas in Chinas Politik ist im Westen so missverstanden worden wie die Bevölkerungsplanung. Schon der Name „EinKind-Politik“ ist irreführend: Die vor zwei Jahrzehnten vom Reformpolitiker Deng Xiaoping verordnete Begrenzung auf ein Kind pro Familie bezog sich stets nur auf die Städte. Bauern und Landbewohner, die rund zwei Drittel der Chinesen ausmachen, durften zwei und mehr Kinder haben. Natürlich gab es berechtigte Kritik. Vor allen in den Anfangsjahren setzten Pekings Familienplaner die Bevölkerungskontrolle oft auf drakonische und manchmal menschenunwürdige Weise durch. Nicht selten wurden Schwangere vom Staat zur Abtreibung gezwungen, manchmal sogar zwangssterilisiert. Die Empörung im Westen über diese Einzelfälle trübte jedoch den Blick: Ein Land mit begrenzten Ressourcen und 1,3 Milliarden Menschen hat keine andere Wahl, als das Bevölkerungswachstum zu regulieren. Selbst unter Dissidenten und Bürgerrechtlern, die sonst kein gutes Haar an der KP-Führung lassen, wird der Sinn der Ein-Kind-Politik nicht angezweifelt. Auch mit Familienplanung wächst Chinas Bevölkerung, derzeit um rund zehn Millionen Neugeborene im Jahr. Allein um diesen Zuwachs zu bewältigen, Arbeit, Wohnung, Ausbildung und Krankenversorgung zu organisieren, benötigt China ein jährliches Wachstum von rund drei Prozent. Anders ausgedrückt: Hätte die Regierung nicht vor zwei Jahrzehnten das Bevölkerungswachstum gebremst, wäre China noch immer bettelarm. Der wirtschaftliche Aufschwung, der hunderten Millionen Chinesen einen bescheidenen Wohlstand gebracht hat, ist ein Erfolg dieser Politik. maa

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