Meinung : Ein Knoten im Netz

Die Festnahme Binalshibhs ist ein Erfolg – Al Qaida ist dadurch aber nicht bedroht

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Von Frank Jansen

Mit Ramzi Binalshibh verliert Al Qaida einen der Chefplaner der Anschläge vom 11. September. Vor wenigen Tagen wurde Binalshibh vom arabischen Fernsehsender Al Dschasira gar zum Nachfolger Osama bin Ladens ausgerufen. Ist den Amerikanern mit der Festnahme ein entscheidender Schlag gegen das Terrornetz Al Qaida gelungen?

Bis zur Festnahme Binalshibhs war den US-Sicherheitsbehörden und ihren Partnern nur ein größerer Erfolg vergönnt: Im März wurde in der ostpakistanischen Stadt Faisalabad Abu Zubaida überwältigt. Der Palästinenser wird von Sicherheitsexperten als „Personalchef“ der Al Qaida bezeichnet. Bei den Verhören scheint Abu Zubaida redselig zu sein. Doch der Wert seiner Aussagen ist zweifelhaft. So soll er etwa den Plan zum Bau einer „schmutzigen Bombe“ preisgegeben haben. Ob der daraufhin verhaftete US-Amerikaner José Padilla wirklich einen Sprengsatz mit nuklearen Abfällen bauen wollte, ist aber bis heute nicht erwiesen.

Dass nun Binalshibh ebenfalls in Pakistan erwischt wurde, dürfte die amerikanischen Sicherheitsbehörden eher noch beunruhigen. Zwar gehörte der Jemenit vermutlich doch nicht zur obersten Führungsebene – auch wenn er vor dem Angriff auf New York und Washington mit bin Laden konferiert haben soll. Die Festnahme ist aber ein weiterer Beleg für das Wuchern des militanten Islamismus im Land. Daran ändern punktuelle Erfolge der Sicherheitsbehörden nur wenig. Außerdem ist der pakistanische Geheimdienst weiterhin mit Islamisten durchsetzt – trotz der Versuche von Militärmachthaber Perves Musharraf, die Behörde zu säubern. Das Regime hat viel zu lange mit den heimischen Islamisten und den Taliban in Afghanistan kooperiert, als dass nun ein nachhaltiges Roll-back realistisch erscheint.

Mit Binalshibhs Festnahme ist Al Qaida also nicht entscheidend geschwächt worden. Jetzt besteht aber die Chance, weitere Knoten des weltweiten Terror-Netzes zu entwirren. Auch die deutschen Behörden können nun genauer analysieren, was sich vor dem 11. September in Hamburg abgespielt hat – und warum sie nichts bemerkt haben. Naiv wäre es jedoch zu glauben, die Anschlagsgefahr sei gemindert. Die Terroristen haben Zeit und disponieren um, wenn es die Umstände erfordern. Außerdem sind etwa 70 000 Kämpfer in den Al-Qaida-Camps ausgebildet worden. Da ist ein Ramzi Binalshibh nur ein kleiner Knoten im Netz.

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