Meinung : Ein Königreich für eine Heirat

Charles kriegt Camilla, muss dafür aber wohl auf den Thron verzichten

Matthias Thibaut

Taking the plunge sagen die Briten, wenn einer heiratet. Man denkt dabei nicht an Glockenläuten und Himmel voller Geigen. Eher an unergründliche Abgründe, in die man sich stürzt. Und selten war das vor einer Hochzeit so passend wie bei der, die das Büro von Prinz Charles gestern bekannt gab.

Man wusste, dass es so kommen würde. Irgendwann musste diese seltsame Beziehung zwischen dem Thronfolger der ältesten Monarchie der Welt und seiner Mätresse seit über 30 Jahren aus dem Dunkel der Vorhölle herausgeholt werden – „in limbo“, sagen die Briten, wenn etwas zwischen Sein und Nichtsein schwebt, wenn es nicht vor und nicht zurück geht und niemand wirkliche Kontrolle hat. Aber dann waren sie doch überrascht, dass das Undenkbare geschehen soll.

Charles will seine Geschicke und die seiner Verlobten Camilla Parker Bowles endlich einmal in die eigene Hand nehmen. Niemand verdenkt es ihm, aber die Reaktionen waren doch recht gemischt. Die Briten wussten nicht so recht, ob sie lachen oder weinen sollten. Alle konstitutionell relevanten Kräfte wünschten dem Paar Glück: Königin, Premier und Oppositionsführer, der Erzbischof von Canterbury. Doch im Volk schüttelten viele den Kopf und murmelten: „Irgendwie ist es nicht recht.“

Wenn der Standesbeamte am 8. April diese Ehe schließt und der Erzbischof von Canterbury seinen Segen gibt – das Sakrament der Ehe ist den Geschiedenen Charles und Camilla verwehrt –, werden die Gedanken an jenen großen Hochzeitstag im Juli 1981 in der St.-Paul’s-Kathedrale zurückgehen. Damals wurde Diana Spencer die Prinzessin von Wales und die Queen of Hearts der Briten – zwei Titel, die Camilla Parker Bowles auf ewig verwehrt bleiben, die sie aber auch gar nicht beansprucht. Sie wird „Duchess von Cornwall“ und „Princess Consort“. Das ist nicht weiter schlimm. Auch Victorias Prinz Albert oder der heutige Duke of Edinburgh müssen ja immer einen Schritt hinter der Königin gehen – nur von einer Frau kennen wir das noch nicht.

Theoretisch müssen die Verlobten drei verfassungshistorische Hürden nehmen: Unklar ist, ob Charles als Wiederverheirateter noch Oberhaupt der Staatskirche werden kann. Parlament und Premier müssen, nach den Regeln des „Königlichen Heiratsgesetzes“ von 1772 ihre Zustimmung geben. Dann müssen sogar Commonwealth-Länder, die der Krone noch unterstellt sind, wie Australien oder Kanada, ihre Verfassungen korrigieren. Doch hier eilt die Verfassungstheorie der Realität wohl weit voraus. Solange Camilla nicht Queen wird, dürfte diesen Verfassungsinstitutionen wohl ziemlich egal sein, was passiert.

Trotzdem betritt Charles nun das Terrain, in dem sich seine Zukunft als König und damit die der britischen Monarchie entscheidet. Die Briten gönnen ihm seine Camilla und freuen sich für ihn. Doch sind sie wirklich bereit, auf eine Königin zu verzichten? Schon hörte man gestern die Missgünstigen. Es grämt die Diana-Fraktion, dass Camilla als Herzogin von Cornwall den Titel „Königliche Hoheit“ erhalten soll, der Diana nach der Scheidung aberkannt wurde.

Die Pfennigfuchser, die Charles jeden Butler aufrechnen, wollen keinesfalls, dass Camilla aus der Staatsschatulle bezahlt wird. Monarchisten, die solche Vorbehalte äußern, wissen auch die Lösung: König William. Thronverzicht für Charles. Nun hat er seine Camilla. Aber im Dilemma zwischen Thron und Herz ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

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