Meinung : Ein Konzern wird flügge

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Die Bahn demonstriert gegenüber ihrem Eigentümer, dem Staat, Stärke. Vor gut einer Woche hat das Bundeskabinett noch eindeutig gesagt: Ein Umzug der Konzernzentrale von Berlin nach Hamburg ist aus strukturpolitischen Gründen unerwünscht. Der Aufsichtsrat des Staatskonzerns, in dem auch Regierungsvertreter sitzen, hat nun deutlich geantwortet, was er von solchen Vorgaben hält: Nichts. Erst kämen die unternehmerischen Verhandlungen, dann mögliche Umzugsentscheidungen. Wenige Monate nach seinem Amtsantritt hat Aufsichtsratschef Werner Müller sein Selbstbewusstsein demonstriert, Bahnchef Hartmut Mehdorn geht gestärkt aus der Diskussion hervor. Verblasst ist die Erinnerung an das Machtwort von Gerhard Schröder vom Sommer 2004, der mit dem damaligen Aufsichtsratschef Michael Frenzel dafür sorgte, dass die Diskussion über einen Börsengang für Monate gestoppt wurde. Sehr wahrscheinlich wird man sich nun bei den Verhandlungen mit Hamburg auf den Kompromiss einigen, dass die Bahn nur ihre Logistikspitze an der Elbe konzentriert. Das ist auch unternehmerisch sinnvoll, aber die aktuelle Entscheidung zeigt, dass sich der Konzern nicht mehr von der Politik reinreden lässt. Die Bahnprivatisierung wird elf Jahre nach Beginn Wirklichkeit. hop

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