Meinung : Ein Kraftakt

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Ein zweifaches Hoch auf die Demokratie“, rief berühmterweise der britische Schriftsteller E. M. Foster aus. Foster war auf seiner Reise nur nach Indien gekommen; die, die am Montag nach Afghanistan gereist waren und viele im Land selbst jubelten nicht nur zweimal. Die Konstituierung des Parlaments ist ein befreiender historischer Moment für Afghanistan. Für den Rest der Welt hält dieser Tag zudem zwei Lehren bereit: Wie viel Einsatz sogar eine einmütige Weltgemeinschaft (mit den USA vorneweg) aufwenden muss, um beim Demokratieexport Erfolg zu haben. Die parlamentarische Stabilisierung Afghanistans war ein Kraftakt, den das Land niemals selbst hätte zustande bringen können. Die andere Lehre ist, dass ein Parlament nur die halbe Miete ausmacht. Der amerikanische Politologe Fareed Zakaria hat darauf hingewiesen, dass die Demokratien in der Welt zwar zunehmen, die Freiheit aber nicht. Das afghanische Parlament, in dem sich auch der eine oder andere Warlord tummelt, ist ein weiterer Schritt zu einer liberalen Demokratie. Dass damit das Ziel bereits erreicht sei, davon kann in dem noch immer umkämpften, vom Drogenhandel lebenden Land nicht die Rede sein. mos

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