Meinung : Ein Mindestmaß an Menschlichkeit

Flüchtlinge in Berlin

Seit Jahren arbeite ich mit unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen, die in ihren Herkunftsländern unter Lebensbedingungen gelitten haben, die sie nicht selbst zu verantworten haben. Viele Kinder haben Demütigungen und Misshandlungen, teilweise auch Folter erlebt, haben den Tod naher Familienangehöriger mit ansehen müssen. Die schwerwiegendste soziale Erfahrung ist der Verlust eines Elternteils und die Zerstörung des sozialen Beziehungsnetzes. Auch die oft erzwungene Teilhabe an Kriegshandlungen erleben die Jugendlichen als hochgradig belastend. Die Unterbringung in Wohnheimen und der Verlauf des Asylverfahrens sind zwei wichtige sozio-politische Bedingungen, die das Erleben der jungen, zwangsmigrierten Menschen prägen. Sie sind belastend und für die innere und äußere Integration hemmend. Viele Flüchtlingsjugendliche sind sehr kompromissbereit für die ihnen zu Verfügung stehende Ausbildungs-und Arbeitssituation. Die Möglichkeit, selbst Geld zu verdienen, vermittelt ihnen das Gefühl „dazuzugehören“, von der Aufnahmegesellschaft anerkannt, akzeptiert zu werden, Steuern zu leisten, einen festen Ort zu haben. Ich wünsche mir, dass mehr Aufklärung und Dialoge Vorurteile verschwinden lassen und rechtes Gedankengut keinen Platz in unserer Gesellschaft hat. Die Flüchtlinge haben ein Recht auf menschenwürdige Unterbringung in unserer Stadt Berlin.

Eva Waitzmann-Samulowski,

Kinder-Jugendlichenpsychotherapeutin, Berlin-Dahlem

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