Meinung : „Ein Ort der Mahnung“

Sebastian Bickerich

Man muss gewiss nicht immer einer Meinung sein mit dieser Frau, und man kann ihr Kernanliegen durchaus kritisch hinterfragen. Doch eines hat sie unbestreitbar erreicht: In Deutschland, aber auch in seinen östlichen Nachbarländern wird wieder mehr über Vertreibungsschicksale in dem Land gesprochen, das den Zweiten Weltkrieg entfachte. Ab Donnerstag wird es dazu neuen Gesprächsstoff geben, und eine Debatte wird wiederaufleben, die das deutsch-polnische Verhältnis nach wie vor belastet. Dann nämlich öffnet im Kronprinzenpalais unter dem Titel „Erzwungene Wege“ die erste Ausstellung des geplanten Zentrums gegen Vertreibungen.

Für Erika Steinbach, die den in die Jahre gekommenen Bund der Vertriebenen 1998 übernahm, ist die Ausstellung eine Art Nukleus für ihr Lebenswerk: das Zentrum gegen Vertreibungen, das sie in Berlin ansiedeln und an dessen Vorsitz sie festhalten möchte. Noch gibt es freilich weder einen Ort für solch ein Zentrum noch einen politischen Konsens. Vehement weist die CDU-Politikerin, die übrigens ausgebildete Geigerin ist, den Vorwurf zurück, mit dem Zentrum die Geschichte umschreiben und Deutsche von Tätern zu Opfern machen zu wollen. Die Ausstellung zeige, dass dem nicht so sei, sagt die 63-Jährige. Schließlich stünde dort nicht die Vertreibung der Deutschen im Mittelpunkt, sondern Flüchtlingsschicksale aus ganz Europa – vom Genozid an den Armeniern in der Türkei über die Vertreibungen von Polen aus Hitlerdeutschland bis zu den so genannten ethnischen Säuberungen der Balkankriege der 90er Jahre.

Doch die Einordnung der deutschen Vertriebenen in solch eine Liste, die indirekt sogar den Holocaust einschließt, ist ein gewagtes Vorhaben. Haben die Deutschen das gleiche „Recht auf Heimat“, von dem in der Ausstellung die Rede ist, wie im Balkankrieg vertriebene Bosnier? Falls ja, bedeutet das gar einen Anspruch auf Vermögenswerte etwa in Polen, wie von der Vertriebenen-Truppe „Preußische Treuhand“ gefordert? Steinbach distanziert sich von derartigen Forderungen. Die Zweifel in Polen bleiben jedoch, ob ausgerechnet die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen Garantin für ein auch vom Bundestag gutgeheißenes Zentrum gegen Vertreibungen sein sollte.

Auf sachliche Kritik wird dabei gerne verzichtet. So zeigte das Nachrichtenmagazin „Wprost“ die Tochter eines in Westpreußen stationierten Offiziers mit Peitsche in der Hand in Wehrmachtsuniform.

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