Meinung : Ein Schatten von Kabinett

Von Lorenz Maroldt

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Es ist nicht Friedbert Pflügers Schuld, dass sich für Berlin nur schwer erstklassiges Regierungspersonal finden lässt. Aber es liegt nicht allein an der verwehten weltpolitischen Bedeutung der Stadt, sondern auch an Pflügers CDU, dass fast alles mit Rang und Namen in Deckung geht, wenn die Berliner Parteifreunde um die Ecke kommen. Da ist es kein Trost, dass es den anderen kaum besser ergeht, selbst wenn sie mit realen Ämtern locken können und nicht nur mit fiktiven, wie die derzeit abgeschlagene Hauptstadtunion. Brandt, Bahr, Gaus, Vogel; von Weizsäcker, Blüm, Laurien, Scholz: das waren wirklich andere Angebote als heute.

Aber nicht einzelne Namen sind das Problematische an Pflügers Schattenkabinett – es ist das Gesamtbild, das diese „tolle Truppe“ (Pflüger) abgibt, gerade auch wegen der halbwegs bekannteren Leute. Rainer Eppelmann, 63, kehrt aus dem Politikruhestand zurück und soll sich um Arbeit kümmern, Otto Wulff, 73, Vorsitzender der Seniorenunion, um Rentner, Detlef Stronk, 61, früherer Zuarbeiter von Diepgen und Pieroth, um Unternehmer. Das ist ehrenwert, wirkt aber nicht gerade dynamisch und lässt eher befürchten, dass sich da jemand nach den Zeiten des Geldverteilungsfürsten Landowsky sehnt – oder zumindest diesen Eindruck zu erwecken versucht. Die Union verabschiedet sich damit teilweise aus dem Wettstreit mit der SPD um jene Wählerschicht, die ein neues Bild von Berlin hat und dieses selber prägt; sie konzentriert sich auf die Stammkundschaft, die es ja auch noch gibt und am entscheidenden Tag von der Kneipe ins Wahllokal zu locken gilt.

Parteipolitisch gesehen ist Pflügers Truppe also womöglich wirklich die tollste, jedenfalls unter diesen Umständen. Und wer das anders sieht, mag sich damit trösten, dass Schattenkabinette nach der Wahl ebenso wenig wert sind wie Koalitionsaussagen. Wer weiß schon, ob die alle wirklich Lust hätten, Landespolitik zu machen. Oder ob sie wirklich dürften. Einem Sieger Pflüger stünden bei der Personalauswahl sicher mehr Möglichkeiten offen, als sie sich dem chancenarmen Kandidaten boten.

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