Meinung : Ein schöner Tag im Dezember

„Harte Fronten am Checkpoint Charlie“ vom 14. Mai

Ab 1968 war ich als Berlin- und Osteuropa-Korrespondent von „The Observer“ und „Financial Times“ (London) tätig und benutzte den Grenzübergang gegenüber dem Checkpoint Charlie fast jede Woche, um nach Ostberlin und in die DDR zu gelangen. Ich erinnere mich besonders gut an den kalten 21. Dezember im Jahre 1972, an dem beide deutsche Staaten ihren Grundlagenvertrag unterzeichneten.

Als ich frühmorgens am Grenzübergang erschien, begrüßte mich der dort wachhabende DDR-Grenzoffizier mit einem Schmunzeln und den Worten: „Ein schöner Tag in Deutschland heute, nicht wahr!“ Ich war so erstaunt über seine im Rückblick prognostischen Fähigkeiten, dass ich nichts Gescheites antworten konnte. Es gab solche Augenblicke mitten im Kalten Krieg, und sie sollen festgehalten werden.

Aber der gegenwärtige unwürdige Streit unter den Politikern, ob das neue Museum des Kalten Krieges in der Friedrichstraße oder am ehemaligen Tempelhofer Flughafen aufgebaut werden soll, muss schleunigst beendet werden.

Je länger sie sich streiten, umso mehr wird sich bei den Besuchern am Checkpoint Charlie die Disneylandversion von der Mauer und vom geteilten Deutschland verfestigen.

Leslie R. Colitt, Berlin-Zehlendorf

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