Meinung : „Ein Schritt in Richtung Ebenbürtigkeit“

Charles A. Landsmann

Er macht Geschichte. Und doch kennt ihn kaum einer. Raleb Majadele war ein klassischer Hinterbänkler, nun ist er der erste moslemische Minister im jüdischen Staat Israel.

Majadele profilierte sich weder durch originelle Ein- noch durch antiisraelische Ausfälle, wie die meisten seiner arabischen Knesset-Kollegen. Majadele, eigentlich Ghalib al-Majadlah, hat sich wohl als fast einziger arabischer Abgeordneter damit abgefunden, arabischer Israeli zu sein und damit Angehöriger der großen moslemischen Minderheit – jeder sechste Israeli ist arabischer Moslem – im jüdischen Staat. Majadele verhält sich Israel gegenüber absolut loyal.

Die Ernennung zum Minister für Wissenschaft, Technologie, Kultur und Sport also als Belohnung für einen arabischen Onkel Tom? Nein, vor allem versucht Verteidigungsminister Amir Perez durch diese Ernennung, seine gefährdete Wiederwahl als Parteivorsitzender der Arbeitspartei zu sichern. Majadele ist eine wichtige Führungsfigur für die arabische Anhängerschaft der Partei.

Perez’ Rechnung könnte allerdings nicht aufgehen, denn einerseits hat ihm der zweitstärkste Mann im arabischen Parteilager, Nawaf Mazalha, seine Unterstützung entzogen. Und andererseits hat Majadele nun eine so brüske Kehrtwendung vollzogen, dass ihm viele seiner Anhänger nicht mehr folgen wollen. Noch bis vor Kurzem kämpfte er für einen Auszug der Arbeitspartei aus der Regierung, weil auch der brutale Nationalist Avigdor Lieberman ihr angehört – und nun nimmt er neben ihm am Kabinettstisch Platz. Lieberman, streitbarer aber unumstrittener Chef der nationalistischen Partei „Israel – unser Haus“, fordert inzwischen den Rücktritt von Perez: Mit der Ernennung Majadeles habe der Verteidigungsminister seine Stellung und damit den Staatsapparat missbraucht.

Lieberman ging allerdings nicht so weit wie die rassistische Fraktionsvorsitzende seiner Partei, Esterina Tartman, die gegen die erste Ministerernennung eines Arabers geiferte: Dies sei ein „tödlicher Schlag gegen den Zionismus“ und die Zerstörung des „Charakters Israels als jüdischen Staat“.

Der Sturm der Entrüstung über Tartmans Tirade – „Perez opfert den Zionismus. Er hat alle roten Linien überschritten“ – umfasst diesmal sogar das nationale Lager. Selbst dort findet man, nicht Perez, sondern Tartman habe die Grenzen des Erlaubten überquert.

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