Ein SPRUCH : Letzte Akte

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Mit einem Händchen für Dramaturgie hat die Schauspielerin Maria Furtwängler als Zeugin die Gretchenfrage im Wulff-Prozess gestellt: Was soll das alles hier? Der Filmfinanzier David Groenewold soll sich Wulffs Gunst für seine Geschäfte mit einem Oktoberfestbesuch erkauft haben, doch irgendwie geht es nur um Kraut und Würstl, Tücken der Hotelbuchung und Umgangsgepflogenheiten in der Prominentenszene. Eine TV-Kommissarin versteht nicht, was dies mit Korruption zu tun haben soll. Man muss es ihr nachsehen, auch Professor Brinkmann von der TV-„Schwarzwaldklinik“ konnte keine Diagnosen stellen, obwohl ihn viele Menschen darum gebeten haben sollen.

Doch dieser Prozess ist auch ein Schauspiel, und er strebt in dieser Hinsicht seinem Höhepunkt entgegen, dem Auftritt von Ex-Gattin Bettina am 12. Dezember. Eine Woche darauf hat der Vorsitzende Richter Frank Rosenow ein „Zwischenfazit“ angekündigt. „Das Gericht kann in der Hauptverhandlung den Stand des Verfahrens mit den Verfahrensbeteiligten erörtern, soweit dies geeignet erscheint, das Verfahren zu fördern“, lautet eine Vorschrift der Strafprozessordnung. Meint der Richter dies, kann es für Wulff Gutes heißen. Denn so etwas wird gemeinhin nötig, wenn die Beweisaufnahme anderes ergibt, als die Richter es in ihrem Eröffnungsbeschluss für das Verfahren angenommen haben. Soll heißen: Das Gericht teilt mit, dass es nach den bisher gehörten Zeugen wenig Chancen für eine zweifelsfreie Verurteilung sieht, also freisprechen würde. Und gibt der Staatsanwaltschaft die Möglichkeit, mit Beweisanträgen nachzulegen.

Tatsächlich nimmt das Verfahren in Hannover zurzeit Kurs auf einen Freispruch. Aber dass es dort ankommt, ist noch nicht sicher. Die Zeugen haben bislang Wulffs Darstellung zwar nicht erschüttert, wonach Kumpel Groenewold die Hotelkosten ohne dessen Wissen mitgezahlt hat. Wie das Gericht die Sache beim Festzeltbesuch sieht, ist dagegen offen. Verleger Hubert Burda glaubte jedenfalls, Wulff habe für den teuren Wiesntisch gelöhnt. Den wahren Gönner Groenewold einmal dem milliardenschweren Verleger vorzustellen, hielt offenbar niemand für nötig, nicht mal dieser selbst. Durfte stattdessen Wulff den Einlader spielen? Für Freunde eines Ministerpräsidenten, die zahlen und sich derart zurückhalten, wenn der Landesvater medienpolitisch wichtige Leute trifft, müsste Niedersachsen dankbar sein.

Es gibt noch eine andere Option: Richter Rosenow regt an, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Vielleicht für die Hälfte von dem, was die Staatsanwaltschaft haben wollte. Sollte es dazu kommen, wäre dem Angeklagten zuzuraten. Hauptsache, das Ganze geht bald zu Ende. Die Wulff-Affäre ist kein Drama, das noch viele weitere Akte braucht.

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