Meinung : Ein Tag wie jeder andere

Von Charles A. Landsmann

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Die israelische Polizei will eines der weltweit größten Verhörzentren errichten, es soll unweit der Autobahn Tel Aviv–Jerusalem entstehen. 2000 Verhörzimmer sind geplant. Sie dürften bald mit Politikern, Beamten und öffentlichen Bediensteten gefüllt sein. Der jüdische Staat geht 58 Jahre nach seiner Gründung vor die Hunde – wenn sich die politische Klasse nicht endlich auf die moralischen Werte der Gründerzeit besinnt.

Dienstag, ein Tag wie leider fast jeder andere: In Tel Aviv beziehungsweise Jerusalem beginnen die Strafprozesse gegen zwei Ex-Justizminister; in einer der Korruptionsaffären von Ministerpräsident Ehud Olmert meldet sich ein Entlastungszeuge; Präsident Mosche Katsav lässt mitteilen, dass er erst dann von seinem Amt zurücktreten werde, wenn er offiziell wegen der mutmaßlichen Sexualdelikte angeklagt werde. Nur sechs der 120 Abgeordneten erklärten sich bereit, eine Petition für eine Amtsenthebung Katsavs zu unterzeichnen, dessen Sexaffären Israel einen schweren Imageschaden im Ausland zufügen.

Aus den diversen Untersuchungskommissionen über den missglückten Libanonkrieg wird durch erste Zwischenberichte und Indiskretionen bekannt, dass die schlimmsten Befürchtungen auf hoher Militärebene zutreffen: Überheblichkeit, Gleichgültigkeit, Unfähigkeit haben sich zu einer gefährlichen Mixtur vereinigt, die im Hinblick auf künftige Waffengänge Zweifel aufkommen lassen. Und Israels Chemie-Nobelpreisträger Roger Kornberg warnt vor einer Katastrophe im Wissenschaftsbereich.

Es ist mehr als nur etwas faul im jüdischen Staat Israel. Eine von der Kritik gebeutelte Regierung ohne politische Pläne und Ideen, eine die weltpolitischen Realitäten ignorierende, nur auf Machtgewinn spekulierende Opposition, eine Militärführung, der taktische Fehler, falsche Strategie und Versagen im Kampf und Führung vorgeworfen werden, eine zersplitterte Bevölkerung, deren gemeinsamer Nenner das abgrundtiefe Misstrauen gegenüber allen Politikern ist: zu Recht.

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