Meinung : „Ein tiefer Schmerz über die Tragödien“

Andrea Nüsse

Was sie inspiriere, sagte sie in ihrer Antrittsrede, sei ein tiefer Schmerz über die Tragödien der Welt. Doch dieser Satz von Scheicha Haja Raschid al Khalifa gibt nur die eine Seite der Diplomatin und Anwältin wieder. Die energische 53-Jährige aus der Königsfamilie des kleinen Golfstaates Bahrain belässt es nicht bei gefühligen Worten. Zielstrebig hat die schlanke Frau mit den dunkelbraunen Haaren in ihrer Heimat Neuland für Frauen erschlossen: Sie gehörte zu den ersten zwei Frauen, die in dem konservativen Scheichtum 1979 als Anwältinnen zugelassen wurden. Heute ist ihre Kanzlei das führende Anwaltsbüro des Landes.

Auch war sie die erste weibliche Botschafterin ihres Landes – in Frankreich von 1999 bis 2004. Seither vertritt sie Bahrain bei den Vereinten Nationen und übernahm nun den Vorsitz der 61. Vollversammlung. Und wieder eine Premiere: Sie ist die erste arabische und muslimische Frau, die diesen Posten innehat.

Die 1952 als Urenkelin des Herrschers Isa Ibn Ali al Khalifa geborene Frau hat in Kuwait und Ägypten Jura studiert. Danach war sie als Rechtsberaterin des Königshauses tätig. Nebenher widmete sie sich immer wieder den Belangen von Frauen. 1979 wurde sie als eine der ersten zwei weiblichen Anwältinnen zugelassen, die vor Gericht auftreten dürfen. In Saudi- Arabien ist das bis heute nicht gestattet.

Aber auch Bahrain tat sich schwer mit der Emanzipation: Erst 2002 führte der junge Herrscher Hamid das Frauenwahlrecht ein. Zu dieser Zeit vertrat Scheicha Haja ihr Land bereits in Frankreich und bei der in Paris ansässigen Unesco. Ihre Ernennung zur Präsidentin der 61. UN-Vollversammlung wurde in Bahrain bejubelt. „Ein historischer Tag für die Frauen von Bahrain“, jubelte die Tageszeitung „Al Ajam“. „Weiblicher Doppelsieg“ titelte eine andere Zeitung. Denn zeitgleich war auch die erste Frau in Bahrain zur Richterin ernannt worden.

In ihrer Rede zur Übernahme des Vorsitzes der Generalversammlung ging die arabische Diplomatin auf die Verständigungsschwierigkeiten zwischen Kulturen ein. Es sei „nicht hinzunehmen“, dass es im Zeitalter des Internets noch immer so schwierig sei, miteinander zu kommunizieren. Die in Arabisch, Englisch und Französisch gewandte Diplomatin hat nun eine große Bühne zur Verfügung, um zu zeigen, dass Verständigung aufgrund universeller Werte möglich ist.

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