Meinung : Ein Wächter-Preis

DER IRAN UND DIE EHRUNG FÜR SCHIRIN EBADI

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So wird es, ungefähr, gewesen sein am Freitag: Im Sekretariat des fundamentalistischen Wächterrates in Teheran hört einer Radio, traut den Ohren nicht, greift zum Telefon. Unfassbar – einer iranischen Frau, Aktivistin für Menschenrechte, der die Mullahs Berufsverbot als Richterin erteilt haben, wird diese Ehre zuteil, der Friedensnobelpreis. Schirin Ebadi wird auf einen Schlag berühmt, wie 1991 Aung San Suu Kyi in Burma. Was nun? Angesichts weltweiter Begeisterung müssen auch die Mullahs gratulieren – zähneknirschend und nur durch einen Vizevorsitzenden. Klar ist: Der Iran wird deshalb nicht über Nacht demokratischer. Klar ist aber auch: Eine so prominente Frau kann kein Regime unauffällig beseitigen. Der Nobelpreis schützt sie, wie eine Garde von Leibwächtern. Er beschirmt nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Arbeit für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Wenn der Iran den Wandel von innen heraus schafft, wäre dies das mächtigste Signal überhaupt an die gesamte muslimische Welt. Die Demokratien dürfen sich jetzt nicht damit zufrieden geben, die Richtige geehrt zu haben. Sie müssen sich jetzt erst recht mit dem Iran beschäftigen. cf

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