Meinung : Ein wahrer Durchbruch Von Clemens Wergin

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Vor drei Jahren hat Nordkorea den Atomwaffensperrvertrag gekündigt und die Inspektoren der Atomenergiebehörde aus dem Land geschmissen. Lange schien es, als müsse sich die Welt mit der Atommacht Nordkorea abfinden. Selbst die USA waren mit ihrem Latein am Ende. Einem Diktator zu drohen, der ohne Wimpernzucken Millionen Bürger verhungern lässt und zudem über Atomwaffen samt Trägerraketen verfügt, schien aussichtslos zu sein.

Deshalb ist die nun getroffene Rahmenvereinbarung ein wahrer Durchbruch: Nordkorea verzichtet auf die Bombe. Im Gegenzug liefert Südkorea 2 Millionen Kilowattstunden Strom, die USA versprechen, keine Atomwaffen in Südkorea zu stationieren und Nordkorea nicht anzugreifen. Die Weichen sind auf Entspannung gestellt – auch, wenn manches „Detail“, etwa der Bau von Leichtwasserreaktoren, offen blieb. Nordkoreas Einlenken ist vor allem ein Verdienst der USDiplomatie, die sich seit der Wiederwahl von George W. Bush und der Ablösung von Chefunterhändler John Bolton flexibler zeigt. Die Amerikaner verzichten zwar nicht darauf, „Schurkenstaaten“ wie Nordkorea oder Iran mit der Peitsche zu drohen, sind aber inzwischen auch weit entgegenkommender bei den Anreizen, die der Gegenseite einen Deal versüßen – ein Cocktail, den der neue Unterhändler Christopher Hill offenbar zu mischen verstand.

Das Abkommen ist auch ein Erfolg für China. Peking war lange dafür gescholten worden, nicht genug Druck auf Nordkorea auszuüben. Nun ist Peking seiner gerne reklamierten Rolle als regionaler Großmacht gerecht geworden und hat dem zunehmend chinaskeptischen Washington auch gezeigt, was die einzige und die sich ankündigende Supermacht erreichen können, wenn sie auf Kooperation statt Konfrontation setzen. Das Abkommen wird aber auch Iran beeindrucken, das noch isolierter dasteht. Dabei könnte die jetzt gefundene Lösung auch für Teheran funktionieren. Die USA jedenfalls wären zu einer Normalisierung der Beziehungen und möglicherweise gar zu Sicherheitsgarantien bereit. Und der Erfolg in Asien rechtfertigte auch, dass sich die USA direkt an den Gesprächen mit Iran beteiligen, anstatt dies allein den Europäern zu überlassen. Ohne Sanktionen werden sich die Mullahs aber wohl nicht bewegen. Auch das lehrt das Beispiel Nordkorea.

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